2. Fastensonntag C 2019, 9 Uhr Rohr, 10 Uhr Altenheim Kremsmünster


3 Apostel erleben etwas Besonderes, so wie wenn der Vorhang für kurze Zeit aufgeht und ein Blick hinter die irdische Wirklichkeit gewährt wird. An solche Verklärungsmomente erinnere ich mich z. B. als wir auf dem Amazonas in der atemberaubenden Stimmung der Abenddämmerung, umgeben von den Stimmen des Urwalds auf dem Schiff eine Messe feierten; worauf dann jemand das Gefühl zum Ausdruck brachte: da spürst den Herrgott!! 
Oder ein Verklärungserlebnis auf einem Berg: Mir ist sehr oft noch das Bild vor Augen, als ich auf dem Schieferstein, bei Reichraming, stand und unter dem Gipfelkreuz sich ein Nebelmeer befand. Die Sonne schien und warf einen Schatten des Kreuzes auf den Nebel. Und um dieses Schattenkreuz herum war auf einmal ein Regenbogen zu sehen, wie man ihn nicht schöner malen hätte können.
Die 3 Apostel werden durch das Erlebnis auf dem Berg ermutigt und gestärkt, dass sie auch in der schweren Zeit, wenn Jesus gefangen genommen wird, durchhalten und in allem einen Sinn erkennen.
Viktor Frankl, ein jüdischer Arzt, der viele Jahre im KZ erlebt und überlebt hat, schreibt, dass es nicht unbedingt die Robusten und Starken waren, die diese Qualen überlebt haben. Es waren mehr die, die ein reiches Innenleben hatten; die in ihrer nach außen so hoffnungslosen Perspektive sich einen Blick in eine Zukunft bewahren konnten. Gerade diese Erfahrungen waren es, die ihn zu seiner Logotherapie geführt haben – der Sinntherapie, dass Menschen ihr Dasein als sinnvoll erkennen.
Der Hl. Johannes Chrysostomus hat einmal folgende Begebenheit erzählt: zu ihm kam ein junger Mann und sagte: „Bischof Johannes, ich kann jetzt leider nicht mehr zur Liturgie kommen – ich habe den Beruf gewechselt und bin Bäcker geworden; ich muss früh aufstehen und bin zu Beginn des Gottesdienstes noch in der Backstube...!“ Der Bischof entgegnete: „Es macht nichts, wenn du zu spät kommst!“ „Nein“, entgegnete der junge Bäcker. „Nachher muss ich das Brot ausliefern. Das geht sich leider nicht aus...!“ „Vielleicht kommst du noch ganz zum Schluss“, meinte Chrysostomus. „Es ist wie wenn du in eine Parfumerie gehst: auch wenn du nur kurz drin warst, du wirst anders riechen, wenn du wieder herauskommst!“
So meine oder hoffe ich, dass auch uns immer wieder irgendetwas berührt, ein Wort, ein Gedanke, eine Erfahrung im Kirchenraum, sodass wir immer mehr den Wohlgeruch Gottes verbreiten. Ich wünsche uns immer wieder schöne Glaubenserfahrungen, berührende Zufälle, nicht machbare Geschenke von oben, die den Glauben stärken.
 

1. Fastensonntag C 2019, 10. März, 9 Uhr, Sattledt

Die Fastenzeit wird in der Liturgie „Zeit der Gnade, Tage des Heils“ genannt. „Du hilfst uns, Böses zu überwinden und schenkst uns von neuem die Reinheit des Herzens“. Ein Einsiedler klagte, dass er so viel zu tun habe. Darüber wunderten sich die, die an seiner Hütte vorbeikamen. Er gab folgende Erklärung: „Ich habe 2 Falken zu zähmen, 2 Greifvögel abzurichten, 2 Hasen aufzuhalten, eine Schlange zu hüten, einen Esel zu beladen und einen Löwen zu bändigen!“ Jetzt waren die Leute noch mehr verwundert, weil sie keine Tiere weit und breit sahen. Er selbst gab dann diese Deutung, dass jeder Mensch diese Tiere habe: die 2 Falken sind die Augen, die sich auf alles stürzen, Dinge anstarren, oft voller Neugier sind und man sie schwer zähmen kann. Die Geier (die Greifvögel) sind die Hände, die sich gern festkrallen und nicht selten immer mehr haben wollen. Die 2 Hasen sind die Füße; man muss sie manchmal aufhalten, weil sie zu rastlos sind. Am schwersten ist die Schlange zu zähmen, die sich hinter dem Gehege unserer Zähne befindet: unsere Zunge. Jemand sagte einmal: 32 Zähne sind machtlos gegen 1 Zunge! Dann der Esel – unser Körper: es ist eine Kunst, ihn im rechten Maß zu beladen, vor allem, ihn nicht zu viel oder zu einseitig zu belasten. Schließlich gilt es, den Löwen zu bändigen. Wie der Löwe der König der Tiere ist, ist unser Herz das Zentrum der Macht in uns, der Sitz für Großmut und auch die Keimzelle für Hass und Rache.
5 Wochen liegen vor uns bis zur Karwoche: man könnte die Zeit gut nützen und je 1 Woche auf einen Sinn besonders achten und diesen bewusst zähmen und recht nutzen!
Heute haben wir von 3 Versuchungen gehört. Ich möchte sie mittels dieses Maßstabes deuten: ich kann ihn zu einem Dreieck formen. Damit meine ich        > die rechte Ordnung: oben Gott – den wir anbeten sollen. Unten rechts die Mitmenschen, denen wir unsere Liebe schulden; schließlich links unten die Dinge, die wir gebrauchen dürfen. Die 1. Versuchung besteht darin, diese Ordnung umzudrehen: Dinge anbeten und vergöttlichen (= an 1. Stelle setzen), Menschen ausnutzen, Gott und die Beziehung zu IHM vernachlässigen.
> Der Maßstab besitzt 10 Einheiten. Man könnte sie z.B. als die 10 Gebote deuten. Es ist ein gerader Weg. Jesus ging seinen Weg ganz geradlinig, immer in vollem Einklang mit dem Willen des Vaters, gleichsam immer dem Navi von oben folgend. Er ist nie abgebogen.  In der Fastenzeit, die in der evang. Kirche Passionszeit heißt, soll Christus, sein Leben, sein Leiden als das große Vorbild im Blickpunkt stehen.
> Ich kann den Maßstab zu einem Kreis formen – die ganze Welt zu besitzen, war die Versuchung, der Jesus ausgesetzt war. Jesus hat den Maßstab gleichsam zusammengelegt: Maß halten – man braucht nur wenig, um glücklich zu sein..
Bischof Manfred Scheuer ermutigt uns im heutigen Fastenhirtenbrief, uns in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Ein paar Zeilen daraus:
„Es ist – Gott sei Dank – für viele Menschen selbstverständlich geworden, sich für andere, für einen Verein oder für bestimmte Anliegen freiwillig zu engagieren. Menschen sehen im freiwilligen Engagement eine Chance, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und sich aktiv und verantwortungsvoll in das gesellschaftliche Leben einzubringen. Gerade junge Menschen sehnen sich danach, dass ihre Fähigkeiten und Talente „geweckt und entdeckt“ werden. Freiwillige wollen gefragt werden, sie wollen persönlich angesprochen werden. „Ich brauche dich!“ „Du kannst das!“ Wie gut tut uns diese Ansprache und wie sehr mündet diese in den Tiefen unseres Glaubens, in den Aussagen Jesu. Er hat Menschen persönlich angesprochen und sie haben sich mit ihm auf den Weg gemacht. Sich ansprechen zu lassen, sich zu entscheiden und dann ohne Frage nach dem Profit, nach dem „Was-hab-ich-davon?“ einen Weg zu gehen – diese Haltung hinterlässt oft heilige und heilende Spuren.
So danke ich jeder Frau, jedem Mann, jedem Jugendlichen und allen Kindern (das freiwillige Engagement von Kindern ist gewaltig – denken wir nur an die Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar!) für die zahllosen kleinen und großen Arbeiten und Bemühungen, die vielleicht nicht immer gesehen werden. Ich möchte dafür danken, was Freiwillige und Ehrenamtliche im Dienst an Kirche und Zivilgesellschaft leisten, denn sie sind nicht einfach Lückenbüßer. Wir verdanken ihnen unschätzbare soziale, karitative und auch wirtschaftliche Werte.

 

 

Fasching 2019 Kirchberg / Kremsmünster

Liebe Brüder, werte Schwestern,
ganz ungestraft darf ich heut lästern.
Wie es in vielen Kirchen Brauch,
so halt ichs in Kremsmünster auch:
Zunächst stell ich mein Motto vor:
„Wer Glauben hat, hat auch Humor“.

Kirchenrenovierung
Ja, wie Ihr vielleicht noch nicht wisst,
steht demnächst vor der Kirch ein G`rüst.
Man schickte Dronen in die Lüfte
wodurch den Bauzustand man prüfte.
das hat ergeben – o wie schade:
es bröckelt leider die Fassade.
Bevor nun etwas runterfällt
muss etwas gschehn, das kostet Geld.
Auch die Pfarre fragt man an,
wieviel sie wohl leisten kann.
Einige hört ich schon sagen:
man könnt vielleicht die Firmen fragen:
für die Kirchenrenovierung
mancherlei Produktplatzierung?
Zum Beispiel
Aus dem Lautsprecher erklingt,
wenn die Lektorin ganz beschwingt
mit Stöckelschuhen geht zum Ambo
Markenschuhe von Zalando!
Vorne steht manch roter Stuhl
d Min`stranten sitzen drauf ganz cool,
denn den neuen Kirchturmputz
spendet Firma XX-Lutz. (Was der alles hat...?)
Die Schweizer zahlen viele Franken
wofür wir ihnen herzlich danken,
dafür soll stets beim Glockenschlag
sowohl bei Nacht als auch bei Tag
a Werbung für die Uhr erklingen
und in die Ohr`n der Gläubigen dringen:
Unsre Uhr präzise geht!
Mit Rolex kommst du nie zu spät! ---
Ich kann mein`  Eifer nicht mehr zügeln
Möcht werben auf den Engelsflügeln
für ein Energiegetränk –
dann gibt’s ein großes Geldgeschenk:
Die Renovierung kostet Null,
wenn wir werben für Red Bull. (verleiht bekanntlich Flügel…)
Ich seh manch Antlitz schon erblassen -
sollt man nicht doch die Werbung lassen,
Geld zu verdienen durch Reklamen,
na ja, das fällt schon aus dem Rahmen.
Es sollte wissen jeder Christ,
dass es seine Kirche ist;
so erbitten wir mit frohem Gruß
von jedem seinen Obulus.

Der glückliche Finder
Ein Bursche - auf dem Weg allein –
findt einen 50 Euro Schein.
„Den hast du“ meint sein Freund dann keck,
sicher gspendt für `n guaten Zweck?“
„Naja“, sagt der, „ich hab gedacht:
Was hätte Jesus wohl gemacht?
Wie hätte Christus da gehandelt?
So hab ich `s Geld in Wein verwandelt!“

Kirche weit denken
„Kirche weit denken“, lautet s große Projekt,
das seit einem Jahr die Diözese bewegt.
Eine Vielzahl von Themen wird besprochen sehr breit,
nur die Weihe von Frauen – das ginge zu weit...
Das Kirchenrecht ist wie ein Klotz an dem Bein,
wenn es vorschreibt: der Pfarrer muss maskulin sein!
Der Papst rief die Bischöfe auf zu mehr Mut:
„Bringt mir kühne Vorschläg!“ was jedoch keiner tut.
Der einzige – Kräutler – vom Rio Xingú
setzt sich ein für Reformen ohne Rast, ohne Ruh.
Bischof Manfred von Linz schreibt dem Papst einen Brief:
„Es rumort in der Kirche, es läuft vieles schief!“
Es geht um Zölibat, auch um Demokratie,
gleiche Rechte für Frauen in der Hierarchie,
a liturgische Sprache, die jeder versteht,
Transparenz, wenn die Wahl eines Bischofs ansteht.
Papst Franziskus gibt Gas, soviel er nur kann,
doch seine Berater ziehn die Handbremse an.
Doch in unsrer Diözese läufts auf vollen Touren,
`s gibt ein tolles Modell für neue Strukturen.
Die Pfarren werdn nun Pfarr-Gemeinden genannt
geleitet von Seelsorgsteams im ganzen Land.
Mit Verwaltung habm d Priester jetzt nix mehr am Hut,
sind frei für die Seelsorge, das ist sehr gut.
Ja, in Zukunft ein Team unsere Pfarre nun leite -
du kannst dich bewerben, am besten noch heute!

Kirchliches Fitnessprogramm
Ins Fitness-Studio geht man heute,
das ist modern, denken die Leute.
Man weiß halt nicht, dass Frau und Mann
Das bei uns billiger haben kann.
Weil wir doch nach alten Sitten
liturgische Gymnastik bieten.
Beim Geläut’ der Kirchenglocken
sollst du schnell in d Messe joggen.
Drin lässt man sich gemütlich nieder.
Zum Einzug hebt man sich gleich wieder.
Dann sitzt man wieder, Gott sei Dank,
auf der gut beheizten Bank.
Zum Gloria erhebt die Glieder.
Anschließend setzt Euch wieder nieder.
Zum Evangelium Ehrfrucht zeigt
Und stehend Euer Ohr zuneigt.
Danach sitzt man gerne wieder
und entspannt die müden Glieder.
Die Predigt ist Erholungsphase
Zur Seelen-, Gemüt- und Geistmassage.
Zum Ruf, Gott ehrfurchtsvoll zu loben.
wird Herz und Hintern jetzt erhoben.
Zur Wandlung an zentraler Stell
Beuget man die Knie dann schnell.
Der Gottesdienst nimmt seinen Lauf
Zum Vater unser stehn wir auf.
Die Ministranten läuten wieder
Daraufhin knien alle nieder.
Nach all dem Sitzen, Knien, Stehn
dürfen wir dann auch mal gehn.
Das Heilige Brot wird ausgeteilt.
Danach ein jeder still verweilt.
Drum feiert all die Messe mit -
sie hält an Leib und Seele fit!!

Bibelfest
Der Fritz macht einen Bibelkurs,
freiwillig, ohne dass er muaß,
Zu Haus erklärt er seiner Mama:
„Woast wos: die nächsten Tage tama
nur Verse aus der Bibel sagn!“ -
Sie sagt: „Da muaß i mi scho plagn.
Doch gut, ab jetzt nur Bibelsprüch,
beim Aufwecken beginne ich!“
In aller Früh schreit sie hinauf:
„Jüngling ich sage dir: steht auf!“
Fritz liegt hundsmüd im Bett noch drin -
da kommt das Wort ihm in den Sinn:
„Was willst du, Frau?“ spricht er benommen:
„Mei` Stunde is noch nicht gekommen!“

Beichtspiegel
Der Ferdinand hat heut frei, geht grad bei einer Kirch vorbei, geht eini und sogleich erkennt, dass beim Beichtstuhl s Liachtl brennt. Er macht die Tür auf, sagt „Hallo!
I bin heut rein zufällig do -  bei mir is einiges jetzt los, i möcht beichtn, aber wàs net was.
Drauf sagt der Pfarrer: „Keine Sorgen, ich kann dir da an Zettl borgen, da drauf sind ca. 50 Sünden –  les´ durch, dann wirst die dein` scho finden!“
Der Ferdl geht – nach längrer Zeit   kommt er wieder und bereut:                    „ZETTEL AUFMERKSAM GELESEN - ÜBERALL DABEIGEWESEN!“
Gebet
Ein Fräulein betet in der Not nicht nur um das täglich Brot
Zwei Herzenswünsche bringt sie vor      als Bitten für das neue Jahr:
„Ein dickes Konto auf der Bank – und lass mich werden möglichst schlank!
Kannst du das bitte für mich machen?
Und vertausch nicht wieder die zwei Sachen!“

Noch ein Schüttelvers – über den Vorsänger, den Kantor:
Das Lied ist ihm nicht sehr gelungen – er hat die Kirche leer gesungen!

Zum Schluss noch die Wettervorhersage:
Der Bauer weiß – nach langem Föhn   wird’s Wetter schlecht oder s bleibt schön.

Ich danke Kindern, Herrn und Damen
fürs aufmerksame Zuhörn, Amen.

 

7. Sonntag C 2019, 9 Uhr Rohr, 10 h Altenheim Kremsmünster
In einer bayrischen Schule sagte die Religionslehrerin den Schülern: „Wenn du eine Watschn kriegst und du haust net zruck, dann is des echt biblisch!“ Worauf ein Schüler erwiderte: „I hau aber fei scho zruck, weil des is echt bayrisch!“
In der Bergpredigt wird eine ganz hohe Latte gelegt, die kennzeichnend sein soll für die Jesusbewegung. Zuerst einmal: was ist der Grund, die Motivation, dass wir Gläubige so ganz anders handeln sollen, als es sonst üblich ist? Antwort: Weil unser Gott so ganz anders ist! Das muss sich erst einmal in unserem Bewusstsein eingravieren: Unser Gott verzeiht grenzenlos, Gott beschenkt jeden – unabhängig ob er`s verdient oder nicht – maßlos, Gott liebt seine Feinde (oder wer sich als Atheist oder ähnliches bezeichnet), Gott richtet nicht! – Dass das so ist, hat Jesus unmissverständlich vorgelebt: hat nie jemanden verurteilt, hat zuletzt seinen Mördern vergeben.
Aus diesem Wissen ergibt sich unser Handeln. Wenn Gott solche Großzügigkeit besitzt, wollen auch wir versuchen, es ihm irgendwie nachzumachen. Zugleich ist es eine Anleitung, selber zufrieden zu sein, wenn man keine Feinde hat, wenn man andere gern beschenkt, wenn man keine Bitterkeit, keine Rachegefühle hat. „Wer nachträgt, trägt schwer“ lautete das Thema eines Kurses. Ein Teilnehmer wurde aufgefordert, einen kantigen Ziegelstein zu nehmen, an einen Menschen zu denken, auf den er gerade total sauer war und der ihm immer wieder in den Sinn kam. Dann musste er einem anderen Kursteilnehmer nachgehen, wo immer der hinging, den Ziegelstein in der Hand. Der Stein wurde immer schwerer, die Kanten schnitten ins Fleisch. 10 – 15 min – die Übung wurde fast unerträglich.
Wie kann`s in der Realität funktionieren? Wir können nicht alle lieben oder jedem ein Freund sein. Aber das Evangelium gibt die Anweisung zu segnen. Der Wiener Wolfgang Teuschl hat die Passage aus der Bergpredigt so übersetzt: Denen, die eich net verkiefeln kennan, denen miaßts erst recht zagn, dass klasse Burschn seids. Und die was auf eich matschgern, von die miaßts sagn, dass s' eh Welt-Hawara san. Was i mán, is des: grad auf die miaßts steh, mit die's Wickln habts – dann werd`s zum Herrgott seiner Partie ghern!
Ein alter Mitbruder hat manchmal jemandem den Rat gegeben: „Sag einfach – Herrgott, segne du diesen Deppen, i kanns net…“ Das hilft! Stellen wir uns einen Korkenzieher vor – der verbohrt sich immer weiter in den Stoppel – ähnlich wenn man sich immer wieder über jemanden ärgert. Durch den Ärger wird’s ärger. Durch das Segnen kommt man heraus aus dem negativen Denken!
Bei einem Kurs in München hat der damalige Altpfarrer Elmar Gruber uns gesagt: Wenn Ihr jemanden net verkiefeln könnts, denkts Euch einfach: Gott liebt ihn auch! Das wirkt Wunder!
 

 

6. Sonntag C 2019 – 17. Februar, 8 Uhr, Kirchberg

Kürzlich hat jemand von einer 1000-jährigen Eiche erzählt mit einer ausladenden, viel Schatten spendenden Krone, mit einem gewaltigen Stamm, bei dem es 7 Personen braucht um ihn zu umfassen. Die Lesung (Jesaja 17, 5-8) hat den gläubigen Menschen mit einem Baum verglichen. Was ist wohl das wichtigste bei einem Baum? Das Entscheidende sind gewiss die Wurzeln.

Tiefwurzler halten auch Stürmen besser stand, wie uns durch die Klimaveränderung fast jedes Jahr bestätigt wird. – Ähnlich ist es beim Menschen: viele legen besonders Wert die äußere Erscheinung, gleichsam auf einen wohlgeformten Stamm bzw. auf eine attraktive Krone oder auf den Reichtum der  Blätter...
Der Prophet Jesaja gibt aber andere Werte vor: Gesegnet, wer auf den Herrn sich verlässt: er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt!
Ein Hauptschüler, der stotterte und unter seinen Klassenkameraden einiges zu leiden hatte, kam mit einem Poesiealbum zum Religionslehrer, damit dieser ihm hineinschreibe. Auf der 1. Seite stand bereits ein Text, der für den Jungen nicht sehr ermutigend war: „Der Mensch wird daran erkannt, was er will und was er kann.“ Der Religionslehrer schrieb ihm den heutigen Lesungsvers ins Stammbuch: Gesegnet, wer sich auf den Herrn verlässt. Er ist wie ein Baum mit starken Wurzeln. Nach ein paar Wochen brachte der Junge eine Wurzel in die Schule mit und legte sie dem Religionslehrer wortlos auf den Tisch – es war eine Weinstockwurzel. Ein Rebstock ist nicht besonders imponierend, sondern krumm und knorrig. Aber der hat Wurzeln, die bis zu 15 Meter Tiefe erreichen können, sodass ihm auch längere Trockenheiten nichts anhaben können.
Wir treffen uns immer wieder im Gotteshaus, um unsere Wurzeln zu stärken, uns zu vertiefen und um dann gute Früchte bringen zu können. Das Typische eines Baumes ist zu beschenken – er spendiert seine Früchte, lässt die Vögel gratis wohnen, er gibt Unterstand bei Regen oder Schatten in der Hitze, er reinigt die Luft und schenkt uns schließlich sein Holz. – Gesegnet, wer auf den Herrn sich verlässt, er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Frucht bringt zur rechten Zeit. – So die Seligpreisung im Alten Testament.
Im Evangelium haben wir auch die Seligpreisungen gehört, die für die ersten Hörer unglaublich gewirkt haben müssen: nie hat vor Christus jemand die Armen beglückwünscht....In der 3. Welt stehen die Paläste der Reichen und die Hütten der Armen oft nahe beieinander. Die einen bewacht und gesichert durch Zäune, Mauern, scharfe Hunde, bei den anderen, den Armen, sind die Türen meist offen, sie helfen sich gegenseitig, man ist jederzeit willkommen, sie leben einen Gemeinschaftsgeist. Wenn wir alle materiell abgesichert sind, gilt es, den Geist der Armen zu leben, das Bewusstsein, einander zu brauchen und vor allem Gott zu benötigen, ohne den wir sind wie eine Staude in der Wüste...

5. Sonntag im Jahreskreis C –  10. Februar 2019

Ein Fisch, der ins Netz gerät, ist verloren und wird normalerweise verspeist. Zu diesem Zweck knüpfen die Fischer ihre Netze. Anders das Netz im Zirkuszelt. Ein Artist, der bei seiner Nummer abstürzt und ins Netz fällt, ist gerettet.

Aus der frühen Zeit des Christentums gibt es Bilder, auf denen die Taufe als Fischfang dargestellt wird, in dem Sinn: wir bieten dir ein Netz an, wo du immer aufgefangen bist, wo du auch durchschlupfen oder aussteigen kannst, wenn es dir zu eng sein sollte, wo du aber jederzeit ein Heimatrecht, ein Recht auf Rückkehr hast! –
Es war einmal im Fasching in Deutschland; in einer Gemeinde gab es einen großen Faschingsumzug mit vielen Gruppen, die durch das Dorf zogen. Eine Gruppe ging mit einem großen ausgespannten Netz durch die Straßen. Ein Junge, der später Pfarrer geworden ist und diese Geschichte berichtet hat, beobachtete, wie immer wieder jemand vom Straßenrand aus der Reihe herausgezogen und in dieses riesige Netz geworfen wurde. Der Bub bekam Angst. Diese Narren mit dem Netz hatten jedoch mehr Interesse an den jungen Damen, die sie aus dem Publikum herausfischten. Er schreibt weiter: „Ich hatte gewaltige Angst, es könnte mich erwischen. Aber all die Mädchen, die in diesem Netz gefangen wurden, sahen überhaupt nicht traurig aus, sie waren offenbar stolz, auserwählt worden zu sein und auf dem Netz getragen zu werden!“ Wir als Pfarre oder Kirche haben die schöne Aufgabe, ein großes Netz zu bilden, in dem man sich wohl fühlen kann und das anziehend wirkt.
Mich hat besonders ein Nebensatz im Evangelium nachdenklich gemacht: Werft Eure Netze aus, wo es tief ist. Vermutlich hat der Evangelist sagen wollen: bleibt nicht oberflächlich! Ein Gebet kann oberflächlich sein, ein Ritual (z.B. ein Kreuzzeichen) nur gewohnheitsmäßig abgespult werden, ein Buch kann ich querlesen, obwohl es vielleicht sehr tiefsinnig wäre, ein Sakrament kann ohne jede Wirkung bleiben. Umgekehrt kann in allem die Tiefe ausgeschöpft werden: z.B. im Bekenntnis „ich glaube an die Vergebung aller Sünden“ oder wenn ich ein Gebet beginne mit der Gewissheit: ich bekomme sicher das Erbetene oder etwas Größeres...  – In der Lesung  haben wir das sogenannte Ur-Kerygma gehört, das 1. Credo: Christus ist für unsere Sünden gestorben, wurde begraben, ist auferweckt worden und erschien dem Petrus und den anderen Jüngern…   Hier ist das Wichtigste unseres Glaubens in 1 Satz zusammengefasst; man könnte auch noch einmal das Bild verwenden: Christus hat durch sein Wirken gleichsam ein weltweites Netz aufgespannt, um jeden Menschen zu sichern und aufzufangen.


Erstkommunion-Vorstellmesse Kirchberg

Unser Thema: Jesus, die Sonne. Niemand von uns, dass unser Blick finster ist. Ein finsteres Gesicht, ein kalter Blick ist zum Fürchten.  Bei der Taufe wurden wir gleichsam angesteckt an den Stromkreis der Liebe Gottes. Wir wurden sozusagen in eine große Lichterkette eingefügt und dürfen sein Licht widerspiegeln in unseren Gesichtern und durch unser Verhalten.

Wir werden heute unsere Taufe erneuern. Das können wir auch täglich tun, wenn wir z.B. Weihwasser nehmen. Tauferneuerung bedeutet, dass ich immer wieder die Würde als Sohn, als Tochter Gottes spüren darf. „Ich bin getauft!“ diese 3 Worte hat M. Luther in seinen Schreibtisch eingeritzt.

Schließlich: wir bereiten uns vor auf die hl. Kommunion. In der Kirche von Syrien wir einem beim Komm.empfang nicht gesagt „der Leib Christi“ sondern: Glühende Kohle! - Wieder eine Verbindung zu unserem Thema SONNE. Wir könnten mit unserem Körper der Sonne nicht nahe kommen. Wir könnten mit unseren Augen Gott nicht schauen – wir würden geblendet sein. Drum nehmen wir Jesus in einer verhüllten Gestalt auf, im Brot. Aber die Wirkung soll sein, dass wir durchglüht werden, von seinem Licht und seiner Wärme erfüllt werden.

 

 

4. Sonntag C – 3. 2. 2019, 8/9.15 Uhr (Das Hohelied der Liebe)

 

Das Hohelied der Liebe ist eine beliebte Hochzeitslesung. Eigentlich wollte aber Paulus mit diesem Text eine Antwort geben auf die Frage der Korinther, welche Gnadengabe höher einzuschätzen ist – das Charisma der Leitung oder der Predigt, das Handwerk oder der Putzdienst, ein starker Glaube oder die Fähigkeit, in unbekannten Sprachen zu beten… Seine Antwort: alle sind grundsätzlich gleich wertvoll, weil sie alle vom Geist Gottes kommen. Auf jeden Fall wäre alles bedeutungslos, wenn es ohne Liebe geschieht!

Nachdem Gott die Liebe ist, kann man den Text auch in dieser Weise lesen, wie Gott selber ist: Die Liebe, also Gott, ist langmütig, dh. Gott ist die Geduld. Gott handelt nicht ungehörig, stellt niemanden bloß; lässt sich nie zum Zorn reizen (das bedeutet auch: Gott kann man nicht beleidigen),  Gott trägt Böses nicht nach. – Welch wohltuende Aussagen!

Unser Lebensziel ist es, Gott kennen zu lernen. Ein Vergleich dafür: stellen wir uns ein Gesicht vor, das aus zigtausenden Mosaiksteinchen besteht. Jeder Abschnitt der Bibel ist nun vergleichbar mit 1em Steinchen. Wenn wir die Hl. Schrift so halbwegs kennen, haben wir den wichtigsten Ausschnitt von Gottes Antlitz kennen gelernt. Und der heute verlesene Abschnitt, das Hohelied der Liebe, ist gleichsam der Augapfel Gottes: der Blick der unendlichen Güte. –

Wenden wir uns nun dem Evangelium zu. Mir ist diesbezüglich eine Frage untergekommen: was ist der Unterschied zwischen einem Autoreifen und einem Christen? Ein Winterreifen muss wenigstens 4 mm Profil haben... Jesus zeigt Profil vor seinen Landsleuten. Er profiliert sich in seiner Heimatstadt und provoziert die Zuhörer. Provozieren – lat. provocare – heißt hervorrufen. Leute sollen aus Gewohnheiten, aus unstimmigen Haltungen herausgerufen werden.

Gerade seine Verwandtschaft hat Jesus am wenigsten geschont.

Gläubige Menschen provozieren auch heute

  • wenn wir uns durch unser Herkommen ins Gotteshaus zum Tag des Herrn bekennen
  • alle, die hier sind, kommen immer wieder dran beim Spenden; aber gerade dadurch provozieren wir all die, für die Geiz geil ist oder die nichts zu verschenken haben.
  • Jedes selbstlose Tun aus Liebe zum Nächsten ist Provokation all derer, die sich selbst der Nächste sind
     
    Ignatius v. Antiochia hat gesagt: Nehmt Gottes Melodie in euch auf! Singt sozusagen nicht ein billiges Trallala nach, sondern jeder hat eine persönliche Lebensmelodie zugespielt bekommen. Jeder hat sein Charisma. Jeder darf die Welt mit seiner Melodie, mit seinen Gaben bereichern und individuelle Spuren hinterlassen. Christgläubige sind keine glatten Typen, sondern zeigen Profil.

 

3. Sonntag C 2019 – 27. 1., 9 Uhr, Rohr


I. Der Evangelist Lukas wird heuer das ganze Jahr an den Sonntagen gelesen. Er war ein hervorragender Journalist, der etwa 40 Jahren nach den Ereignissen recherchierte, was genau in der Zeit Jesu passierte. Als einziger hat er die Geburt Christi geschildert und die Pubertätsgeschichte Jesu, als dieser 12 Jahre  alt war. Sonst wissen wir leider nicht viel aus der Kindheit Jesu, außer dass er in einer Großfamilie aufgewachsen ist: mindestens 6 Geschwister hatte er (4 Brüder werden namentlich genannt). Als Ältester dieser Geschwister oder Halbgeschwister (Genaueres wissen wir nicht) musste er – wenn Josef früh gestorben sein sollte – für die Familie sorgen und blieb deshalb bis zum 30. Lebensjahr zu Hause. Dann ist er vermutlich 1 Jahr (oder nur ein paar Monate?) mit einer Jüngergruppe als Wanderprediger durch Israel gezogen. In dieser kurzen Zeit haben seine Freunde so viel erlebt, dass Johannes formuliert: wenn man alles aufschreiben würde – die ganze Welt könnte die Bücher nicht fassen… Also eine äußerst beeindruckende Person muss Er gewesen sein!
II. Das Herzstück des Lukasevangeliums ist die Geschichte vom Barmherzigen Vater, die auch die schönste Erzählung der Weltliteratur genannt wird. Immer wieder betont Lukas, dass Gott für jeden Menschen, trotz übelster Taten, ein reiches Guthaben bereithält. Dafür stehen Zöllner, Dirnen, der Verbrecher am Kreuz. Sie alle stehen Gott nahe. Es ist ähnlich wie bei einem Kontoauszug: das Allerwichtigste ist einmal, ob dort steht: SOLL oder HABEN. Lukas gibt uns die Gewissheit, dass bei Gott alle im Plus sind, also ein HABEN-Konto besitzen. - Auch die DANKBARKEIT ist für den 3. Evangelisten ein wichtiges Thema. Nur er bringt den Bericht über die 10 geheilten Aussätzigen, von denen nur einer umkehrt, um sich zu bedanken.
III. In der Lesung haben wir vom einen Leib mit den vielen Gliedern gehört: Jedes dieser Körperglieder hat besondere Fähigkeiten – jeder Getaufte hat Begabungen, die zur Bereicherung der Gemeinschaft geschenkt wurden. Vor gut 1 Woche hat die Diözese Linz den Zukunftsweg unserer Kirche in OÖ vorgestellt: es soll demnach jede Pfarrgemeinde in den kommenden Jahren ein Team aus der Pfarrbevölkerung finden, das die Pfarre an Stelle des Pfarrers leitet. Damit werden auch die vielen Talente, die es unter den Gläubigen gibt, besser genutzt. Und wir Priester werden freigestellt für die seelsorglichen Aufgaben, für die Sakramente, für die Begleitung der Menschen in allen Lebenslagen. Ich freue mich, dass unsere Diözese diesen mutigen Schritt wagt – wir brauchen über 400 solche Leitungsteams – auch das hauptamtliche Personal soll gerechter aufgeteilt werden: jeder Pfarrgemeinde werden je nach Größe Pastoralassistenten und Priester zugeteilt. Ein neuer Weg – wir hoffen, dass alle Pfarrgemeinden sich darauf einlassen.