2. Adventsonntag C – 9. Dezember 2018, 9 Uhr, Sattledt


Zuerst eine kleine Adventgeschichte aus einem bayrischen Kloster: Ein junger Mönch, eingebildet und eitel, saß in seiner Zelle in seinem neuen Ordenskleid und bereitete sich auf den Hl. Abend vor. Da klopfte es – draußen stand ein alter Mitbruder, der in den Stallungen des Klosters die Schweine versorgte. „Ich bitt di“ sagte er, „kimm und hüf ma `n Stall ausmistn!“ Der junge Bruder war ganz durcheinander – er hatte schon geduscht und war schon in Weihnachtsstimmung. Er sagte: „Des muass do net jetzt sein, des geht a nu nach de Feiertag!“ „Na“, sagte der Alte. „Des muass heit sein. Auch de Sau solln erlebm, dass Weihnachtn is und dass an saubern Stall habm!“ – Der junge Bruder war dann sehr gerührt und beschämt von der Liebe des alten Mönchs zu seinen Tieren und von seiner Ehrfurcht, vor dem Weihnachtsfest, und sie haben gemeinsam den Stall ausgemistet. – Und dann schreibt der Autor (P. Johannes) nach dieser Geschichte: Weihnachten passiert auch in einem Stall.  Das heißt doch: das Christuskind will alle unsauberen, dunklen Stellen im Menschen heil machen; dort wo wir Mist gemacht haben, will er alles in Ordnung bringen.
Heute haben wir von Johannes dem Täufer gehört. Er gefällt mir, weil er so ein ehrlicher und geradliniger Bursche ist und sich vor niemandem fürchtet; durch sein asketisches Auftreten und seine scharfen Worte zwingt er die Leute zum Nachdenken…. Aber er hat sich in Bezug auf Gottes Absicht getäuscht. Er hat gemeint: Gott wird kommen und ordentlich durchgreifen; weil die Menschen so viel Unrecht tun, wird es ein hartes Gericht geben!! Und zwar sofort: schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt – wer keine guten Früchte bringt, wird umgehauen!!!  (Wahrscheinlich wünschen wir uns das auch manchmal: dass der Herrgott endlich die Kriegsverbrecher bestraft, die Gewalttäter, die Umweltzerstörer….). Aber was ist damals geschehen? Kein hartes Durchgreifen von oben, sondern (Paulus hat es so formuliert): Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, um alle zu retten!!
Trotzdem, auch wenn Gott kein Gericht hält, gilt die Mahnung des Johannes:
3 Anregungen - Täler sollen aufgefüllt werden: vielleicht gibt es einen Graben, eine Kluft zwischen mir und einem anderen Menschen; da könnte im Advent wieder eine Beziehung, eine Straße entstehen...
Berge abtragen – man könnte genauer anschauen, welche Berge von Sorgen oder Terminen es gibt (der Prior von Taizé Roger Schutz hat gern gesagt: wir essen hier nur mit dem Löffel, ohne Gabel und Messer; 2 Drittel des Bestecks sind nicht not-wendig, genauso wie zwei Drittel unserer Sorgen)-
Schließlich: Krummes soll gerade werden! Vielleicht gibt es etwas, wo ich nicht ganz geradlinig bin – oder: vielleicht kann ich mithelfen, etwas zu begradigen, was in meinem Bereich unstimmig ist.
Der Advent – eine gute Übungszeit...

1. Adventsonntag C – 2. Dezember 2018, 8 h Kbg / 9.15 Stiftskirche

Advent – keine andere Jahreszeit hat so viele Geschichten, Lieder und Bräuche hervorgebracht wie diese 4 Wochen vor dem Geburtstag Jesu. Gestern wurde der Roman „Bergkristall“ von A. Stifter im Theater am Tötenhengst uraufgeführt. Eine spannende Geschichte rund um den hl. Abend mit zwei im Schnee verirrten Kindern, die zu Herzen geht.
Der Advent soll eine Zeit der vermehrten Wachsamkeit und Aufmerksamkeit sein, wie das Evangelium betont. Vielleicht kennen Sie die Erzählung vom weltberühmten Geiger, der einmal in normaler Kleidung vor einer Bushaltestelle auf seiner Violine spielte. Von 400 Aus- und Einsteigenden blieben nur 4 oder 5 stehen und hörten ihm zu (2 Tage zuvor hatte er in einem Konzertsaal gespielt bei 100 Euro pro Eintrittskarte). Niemand erkannte ihn…– Wenn wir im Advent aufmerksamer werden, was um uns herum geschieht, wer unsere Zeit oder Aufmerksamkeit braucht, wenn wir vielleicht besser zuhören als sonst, wenn wir eventuell auch über Träume nachdenken, was Gott uns damit sagen will, dann wird der Advent zu einer besonderen Zeit.
Heute feiern wir die Imker-Messe – früher wurde eine Biene als IMME bezeichnet, daher der Name Imker. Die Fähigkeit der Biene, Honig zu produzieren, galt schon in der Antike als etwas Göttliches. Sprichwörtlich ist der Fleiß der Bienen: man hat ausgerechnet, dass Bienen etwa 20.000 Mal ausfliegen müssen, um 1 Liter Nektar zu sammeln, der wiederum ca. 300 Gramm Honig ergibt. Pro Tag macht eine Biene ca. 40 Ausflüge und besucht dabei 4.000 Blüten, ohne Pause und ohne Urlaub. Der Nobelpreisträger Albert Einstein sagte: Wenn die Bienen verschwinden, dann verschwinden auch die Menschen! Bienenwachs war lange Zeit ein sehr begehrter Rohstoff, vor allem als es noch kein elektrisches Licht gab und die Häuser mit Kerzen beleuchtet wurden. Das warme Licht der Kerzen ist bis heute nicht wegzudenken, insbesondere im Advent, zu Weihnachten, bei Festen wie Taufe, Hochzeit bis hin zu den Grabkerzen.
Heuer wird der Evangelist Lukas gelesen. Lukas hat ein theologisches und sprachliches Meisterwerk geschaffen. Er hat genau recherchiert, um die richtigen Ausdrücke zu finden, z.B. die damals in der Medizin verwendeten Begriffe. Ein Wort ist besonders bedenkenswert, das Wort HEUTE. „Heute“ ist euch der Heiland geboren (Lk 2,11). „Heute“ haben wir Großes gesehen (Lk 5,26). „Heute“ ist diesem Haus Heil wiederfahren (Lk 19,9). „Heute“ wirst du mit mir im Paradiese sein! (Lk 23,43). Dieses „Heute“ bedeutet bei Lukas: Im Moment, in dem jemand Gottes Wort liest, oder hört und ernst nimmt, geschieht Heil!
Lukas hat Texte niedergeschrieben, die sich nur bei ihm finden („lukanisches Sondergut“). Die wunderbare Weihnachtsgeschichte verdanken wir ihm. Sein Sondergut bezieht sich vor allem auf die Barmherzigkeit Gottes: die Wertschätzung der Sünderin, die ihm die Füße salbt; das Gleichnis vom barmherzigen Vater; Die Heilszusage an den Verbrecher am Kreuz. Die Armen und Kranken liegen ihm besonders am Herzen. Dante Alighieri sagte einmal: „Lukas ist der Scheiber der Güte Christi“.

Gott kommt. Aber er hat keinen Fahrplan.
Wir können nicht nachsehen, wann er kommt.
Er kommt als Trost und als Jubel,
er kommt im Schmerz und in der Krankheit.
Er wird mit uns geboren und wird mit uns alt.
Und in jedem Kind kommt er ganz neu –
Jedes Kind duftet nach Gott,
nach seiner Güte, nach seinem Erbarmen, nach seiner 
Liebe. – Gott kommt – Advent ist die Zeit des Erwartens.

 

Christkönig 2018 – 25. November, 8 Uhr Kbg /9.15 Uhr, Stiftskirche


Das Christkönigsfest wurde vor gut 90 Jahren eingeführt, 1925, in einer Zeit vieler Unruhen und Krisen, als in Europa Kaiser und Könige großteils abgetreten waren, aber neue Machthaber und Diktatoren auf die Bühne traten. Der Papst wollte mit diesem Fest klarstellen: jede weltliche Autorität untersteht dem einen Herrn, nämlich Jesus Christus, und muss sich an Ihm orientieren!
Angesichts der vielen Krisen- und Kriegsregionen würde ich mir einen mächtigen Friedenskönig wünschen, eine Weltautorität – mit mehr Kompetenzen als die UNO – die in Konfliktfällen einschreitet, Waffenhandel verbietet und die Kriegstreiber zu stoppen vermag…
Der Christkönig hat es abgelehnt, politisch tätig zu sein, wahrscheinlich zur großen Enttäuschung des Judas und anderer Eiferer (Zeloten), die Ihn gern als Anführer gehabt hätten. Jedoch: Sein Zepter ist die Wahrheit, die Glaubwürdigkeit, bei Ihm ist alles transparent – seine Worte und Taten stimmen zu 100% überein.
Er ist ein König, der uns zu Königskindern macht, der allen die Krone aufsetzt und höchste Würde verleiht. Zu diesem König muss man nicht auf Knien heranrutschen; dieser König will, dass wir ihm aufrecht entgegen gehen.
König sein im Sinn von Christkönig meint: mich selbst beherrschen – und nicht andere. Das ist wohl eins vom schwierigsten: seine Zunge beherrschen, seinen Zorn, seine Triebhaftigkeit… Wilhelm Willms schreibt diesbezüglich:
jeder mensch ist dazu in die welt gekommen, ein könig zu sein.
so könig zu sein heißt: nicht andere zu beherrschen sondern andere zu erlösen, damit auch sie könig werden
Je mehr ich mich mit diesem Jesus von Nazareth beschäftige, umso stolzer bin, ein Christ zu sein und seinen Namen tragen zu dürfen: ich bewundere Seine klare und bildreiche Sprache, seinen Mut, allen – auch den höchsten Autoritäten – einen Spiegel vorzuhalten und zu zeigen, wo sie falsch liegen. Es ist unglaublich, wie Er sich auf die Seite der Außenseiter gestellt hat, wie Er mit Kindern, Frauen, mit Fremden einen neuen Umgang gepflegt hat, sodass sogar seine Verwandtschaft sagte, er spinnt.
Und das größte überhaupt: er hat bei aller Kritik, die er übte, nie jemanden verurteilt, nicht einmal die, die Ihn angespuckt und Ihm zutiefst weh getan haben. Das lässt uns auch hoffen und erwarten, dass Christus beim Weltgericht keinen Menschen verurteilen wird, sondern allen hilft, das Ziel zu erreichen. Ein wahrer Erlöser und Retter!

 

33. Sonntag B 2018 – 18. November, 9 Uhr Rohr (Cäcilienmesse)


Zwei große Frauengestalten feiern wir in dieser Woche: Elisabeth und Cäcilia.
Elisabeth, 1207 in Ungarn geboren, kommt als 4jährige auf die Wartburg bei Eisenach in Thüringen, wo sie mit 14 Jahren den jungen Fürsten Ludwig IV. heiratet. Auf der Wartburg wird zu dieser Zeit ein verschwenderisches Leben geführt. * Elisabeth sorgt freiwillig – unterstützt von ihrem Mann – für die Hungernden und Kranken. * In der furchtbaren Hungersnot 1225 verschenkt sie, allerdings ohne das Einverständnis ihres Mannes abzuwarten, die Geld- und Getreidevorräte der Burg sowie ihre persönlichen Schätze an das Volk. * Bei den Mahlzeiten achtet sie darauf, dass sie nichts isst, was den Bauern zu Unrecht entzogen worden ist. * Den Kranken dient sie nicht nur durch Spitalsgründungen, sondern sie pflegt sie mit eigener Hand. – Elisabeth ist die Patronin der Caritas, der göttlichen Liebe.
Cäcilia –  Patronin der Kirchenmusik. Von ihr gibt es so gut wie keine historischen Daten. So möchte ich zuerst unser Leben mit Musik vergleichen. Ein paar Zitate:  “Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen.” (Franz von Assisi).  „Gott ist der größte Musiker. Ich bin nur das Instrument, auf dem er spielt”.  “Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit.” (Henry Wadsworth Longfellow). “Die Musik soll bis ins Innerste des Menschen vordringen, durch seine Haut, durch seinen Körper, nicht nur durch die Ohren. Sie ist der wichtigste Mittler zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer.” (Karlheinz Stockhausen).  “Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.” (Friedrich Nietzsche)
Im letzten der 150 Psalmen heißt es: spielt dem Herrn mit Harfe, Zither, mit Pauken und Posauen! Und der letzte aller Psalmverse heißt: Alles, was atmet, lobe den Herrn! - Also auch wer kein Instrument spielt, soll Gott mit seinem Atem, mit Worten und Liedern preisen!
Der Linzer Liturgieprofessor Ewald Volgger bemerkte in Bezug auf die Musik beim Gottesdienst: Die Musik ist die Höchstform menschlicher Kunst. Sie erreicht die Tiefenschichten des Menschen. Schon im vorgeburtlichen Stadium kann das heranwachsende Kind durch Musik gestimmt u. beeinflusst werden; Musik ist auch die letzte Fähigkeit des Menschen; wenn er nicht mehr sprechen kann, kann er oft noch singen. Die Musik in der Kirche kann in uns Göttliches zum Klingen bringen, was durch Worte nicht mitteilbar ist.

 

32. Sonntag B – 11. November 2018, 9 Uhr Sattledt


In der Schatzkammer des Tempels standen 13 Opferstöcke; das waren, trichterförmige große Behälter für verschiedene Spendenzwecke.. Der 13. dieser Töpfe war einfach für Gott bestimmt... Die Frau hat, wie man annimmt, in diesen Topf ihren halben Cent, ihre ganze Habe geworfen. Witwen hatten kein Einkommen. Sie war auf die Güte anderer angewiesen.
Es  scheint, dass Jesus anhand dieser Frau sagen wollte: Wer schenkt, soll es nicht deshalb tun, damit man sich bei Dir bedankt, damit andere es sehen und Dich loben, sondern aus reiner Freude am Schenken bzw. aus Mitgefühl mit Bedürftigen.
Franz v. Assisi hat seinerzeit seine Bibel verkauft und damit Hungernden Essen geschenkt, weil er sagte, es kommt nicht darauf an, welche Worte in der Bibel stehen, sondern welche Bibelworte man selber verstanden hat.
Heute ist der Tag des hl. Martin, schon vor 1700 Jahren hat er gelebt, und heute noch kennt jedes Kindergartenkind seine entschlossene gute Tat, das Teilen des Mantels. Er hatte eine Waffe und hat das verwirklicht, was als Traum in der Bibel steht: Schwerter werden zu Pflugscharen, Waffen zu Friedenswerkzeugen.
Es gibt meines Erachtens 3 Ebenen beim Schenken: Unsere Familien und Freunde beschenken wir selbstverständlich zum Geburtstag, zu Weihnachten etc. Meist bekommen wir auch wieder was zurückgeschenkt. Die 2. Ebene des Schenkens betrifft bedürftige  Menschen – ich schicke z.B.  einer Organisation, die Blinde operiert, 30 Euro für die OP. Da wird sich sicherlich jemand freuen, auch wenn wir uns gegenseitig nicht kennen. Und der kann sich auch gar nicht bei mir bedanken. Die 3. Ebene ist die göttliche Ebene: auch die, die`s nicht verdienen, werden beschenkt: „Gott lässt seine Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte!“ Gott hat Freude, ausnahmslos jeden zu beschenken….
Was wollte Jesus wohl mit seinem Kommentar zu dieser Szene verdeutlichen? Vielleicht dieses:
1. Ihr sollt an nichts hängen! Wer den Besitz nicht so wichtig nimmt, wird sich mit anderen nicht über Materielles streiten; wer an nichts sein Herz hängt, wird letztendlich auch einmal viel leichter von dieser Welt Abschied nehmen können.
2. Geben schafft Freude, festhalten verkrampft. Unsere Hände sagen uns: wir haben es selbst in der Hand, wie wir leben wollen.
3. Die Witwe lebt vom Gottvertrauen. Auch das dürfen wir ein Leben lang lernen, uns auf die Führung von oben zu verlassen.
Zum Schluss ein kleines, unglaubliches Mathematikbeispiel: ausgehend davon, dass wir einen Geldschein, bevor wir ihn in die Spendenbox werfen, meist zusammenlegen... Wenn ich einen Papierbogen 7x zusammenlege, wird er gut 1 cm dick. Wenn ich ihn noch 3x falte, also insg. 10x, ist das Papier schon ca. 10 cm dick. Bei 20x falten würde man 100 Meter erreichen, und gäbe es einen riesigen Papierbogen, den man 50 mal falten kann, würde dieser 100 Millionen km dick werden: jedes Mal falten vervielfacht die Stärke. Dieser Vergleich veranlasst mich zu sagen: ich glaube, dass auch das Geben eine andere Mathematik hat. Schenken multipliziert die Freude. Ganz gewiss rechnet Gott anders als wir (wie es Jesus einmal Petrus gegenüber erklärte: ihr werdet das 100fache erhalten!) - Wir dürfen rechnen, vielfältigst beschenkt zu werden!

31. Sonntag im Jahreskreis B – 4. November 2018, 8.00 Uhr, Kirchberg / 9.15 Stiftskirche


Wenn man vor einem großen alten Schloss steht oder vor einer Ritterburg, dann findet man oft ganz riesige Eingangstüren. Die sind manchmal 2-3mal so hoch, wie ein Mensch groß ist. Da denkt man vielleicht unwillkürlich: Wie soll man so ein Riesentor aufkriegen? Überhaupt als Kind...
Aber dann: ein leichter Druck auf die Türschnalle und das Tor geht auf, ganz leicht – weil es in 2 Angeln hängt und diese gut geschmiert sind.
Aber wehe, wenn der Schlossbesitzer diese beiden Türangeln hat einrosten lassen...
Davon hat Jesus auch heute im Evangelium gesprochen. Die erste Türangel heißt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all deinen Gedanken, mit deiner ganzen Kraft.“ Und die zweite Türangel: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Wer diese beiden Gebote hält, darf sicher sein, dass die Türe zum Himmel auch ganz leicht aufgehen wird.

Von Rabbi Akiba wird erzählt, er habe versucht, das wichtigste der Religion jemandem in der Zeit zu erklären, in der man auf 1 Bein stehen könne. Seine Antwort war: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu!  Ist im Grunde dieselbe Aussage wie das Gebot der Nächstenliebe.


Allem zugrunde liegt die Selbstliebe: wer sich selbst nicht mag, ist auch zu keiner aufmerksamen Zuwendung zu Gott und zum Nächsten fähig. Darum hat auch Bernhard v. Clairvsaux an Papst Eugen geschrieben: wenn du für alle da sein willst, für dich selbst aber nicht – das kann nicht funktionieren. „wer sich selbst nichts gönnt – wem kann der gut sein? Schau genügend auf dich, dann magst du für alle anderen sorgen! - Jesus empfiehlt, es soll ausgewogen sein: die Zeit, die materiellen Güter, die ich für mich beanspruche, soll ich auch jedem andern vergönnt sein und bereit sein zu geben.
Kein Mensch kommt als Liebender zur Welt, sondern als Liebeshungriger. Das Hauptfach, auch wenn es in keinem Lehrplan enthalten ist, ist, Güte, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl zu lernen. LIEBE im biblischen Sinn ist kein Gefühl, sondern ein Willensakt. Eine Hilfe dazu, wenn man jemanden nicht leiden kann, mag sein, sich zu erinnern: Gott liebt ihn/sie auch!! – Wenn Gott jeden Menschen mag, muss jeder etwas Liebenswertes an sich haben.
 

Allerheiligen 2018, 9 h Sattledt

 

Einleitung: Im 1. Jahrtausend geschah die Verehrung von Heiligen eher spontan (vor allem von Märtyrern und anderen vorbildlichen Christen), erst ab dem 10. Jahrhundert wurde sie in der Kirche geregelt. Der 973 verstorbene Bischof Ulrich von Augsburg wurde als erster von einem Papst heilig gesprochen, und zwar im Jahr 993. Ab diesem Zeitpunkt war eine öffentliche Verehrung ohne Kanonisierung durch den Papst nicht mehr gestattet (Im übrigen bedeutet Seligsprechung, dass ein Verstorbener nur in einer bestimmten Region, ein Heiliggesprochener jedoch auf der ganzen Welt verehrt werden darf).

 

Ansprache: Nachdem gestern der Reformations-Gedenktag gefeiert wurde, erinnern wir uns zuerst, wie Martin Luther die Heiligenverehrung eingeschätzt hat. Damals wurde der Heiligenkult vielfach übertrieben, es ging den Leuten oft nicht um die Verehrung, sondern darum, sie in verschiedenen Nöten um Hilfe anzurufen und von auch deren Gebeinen Wunder oder. die ewige Seligkeit zu erwarten. Kurfürst Friedrich der Weise z.B. besaß 19.000 Reliquien von Heiligen… Gegen solche Übertreibungen wandte sich Luther. Heilige als Vorbilder zu verehren jedoch fanden die Reformatoren sinnvoll.

 

Heilige möchte ich vergleichen mit Scheinwerfern, die den Weg ausleuchten. Während meines Aufenthaltes in Barreiras hatte ich diesbezüglich ein besonderes Erlebnis. Da habe ich einmal ein Kamerateam, das aus Kärnten angereist war, mit einem ausgeliehenen sehr alten VW-Bus in eine Nachbarstadt – 200 km entfernt – gebracht. Auf dem Heimweg ist neben einem Patschen und Defekt beim Starter auch noch das Licht ausgefallen – 40 km vor dem Ziel; kein Haus in dieser Einöde, stockdunkel. Autos halten grundsätzlich nicht an wegen Gefahr des Überfalls. Was kann man da machen? Als das nächste Auto kam, versuchte ich diesem nachzufahren und auf den Fersen zu bleiben. Sein Licht leuchtete auch mir. – So sind für mich Heilige wie starke Lichter bzw. Ermutiger, die einladen ihnen nachzufahren. Sicher, wir haben das starke Licht, das größte Vorbild, Jesus selbst. Das genügt eigentlich. Aber die Heiligen zeigen uns in konkreten Lebenssituationen, wie man im Einzelfall handeln kann.

 

Österreich ist nicht nur Land der Dome, sondern auch Land der Heiligen – immerhin 134 Gemeinden oder Städte beginnen mit SANKT (wie z.B. St. Pölten). Dazu kommen weitere 18 Gemeinden, wo der Name Marias auf der Ortstafel steht – von Maria-Alm in Salzburg bis Maria-Zell. Die meisten Heiligen-Ortsnamen finden sich übrigens in Oberösterreich – 39 Gemeinden, von St. Ägydi bis St. Wolfgang tragen einen Heiligen in ihrer Ortsbezeichnung.

 

Ich habe von einem OÖ.er gelesen, einem Grieskirchner, der vor gut 70 Jahren in einem Konzentrationslager im Mühlviertel (Gusen) als „Christus in der Hölle von Gusen“ bezeichnet wurde: Dr. Johann Gruber – er war zuerst Direktor einer Blindenschule, verurteilte dann scharf das Hitlerregime, kam ins KZ, und verstand es, für die sehr schwachen Häftlinge immer Extrasuppe zu organisieren; vielen Häftlingen rettete er das Leben; am Karfreitag 1944 starb er an den Folgen der Folter. - Ich glaube, es ist wichtig, dass die Erinnerung an solche Menschen wach gehalten wird – weniger die verbrecherischen Leute, die Kriege angefangen oder sich durch Greueltaten einen Namen gemacht haben. Die Vorbilder, die Widerstand geleistet haben gegen ungerechte Systeme und eine einzigartige Nächstenliebe gelebt haben, sollten in den Geschichtsbüchern stehen!

 

Diese Haltung der Güte und Fürsorge kann ansteckend sein bis in unsere heutige Zeit. Sie hat viele Gesichter: die Pflege von Angehörigen, die Sorge und Liebe zu den eigenen Kindern und Enkeln, der Besuch von Alten und Kranken, die Unterstützung von Asylwerber/-innen. Sie sind unter uns, die „Alltagsheiligen“, die guten Seelen.

 

 

Hubertusmesse in Rohr – 28. Oktober 2018, 9.00 Uhr

Hubertusmesse – ihr feiert heute Euer Erntedankfest.
Jägern wird gewiss in der Harmonie, in der Vielfalt und Buntheit der Schöpfung eine besondere Beziehung zum Schöpfer ermöglicht. Das Erlebnis, das der hl. Hubert gehabt haben soll, ist sicher einmalig, nämlich dass er im Geweih des kapitalen Hirsches den gekreuzigten Christus sah – aber diese Begebenheit ist ja nur ein starkes Symbol: In der Natur, in Baum und Tier begegnet Gott auch. Galilei hat bei seinen vertieften Betrachtungen der Sternenwelt gesagt: Das sei auch Gottes Wort, an den Himmel gemalt, eine zweite Bibel. Auch ihr Jäger fühlt Euch in Wald und Feld der Gotteskraft nahe.
Vom Ursprung her hat Gott Mensch und Säugetier an einem Tag geschaffen und allen Anteil an den gleichen Früchten gegeben. „Macht euch die Erde untertan“ wurde oft missverstanden als Freibrief, sich der Natur rücksichtslos zu bedienen, was die Tiere zu Rohstoff oder „Biomasse“ herabstufte. Christian Morgenstern sagte einmal: „Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns Menschen zu vergelten“. Einsamer Rufer blieb im Christentum der Heilige Franziskus, der zur Verwandtschaft mit Sonne und Mond fand, die Waldtauben zähmte durch seine Worte und mit seinen milden Augen auch den wilden Wolf von Gubbio ohne Angst ansprach und den Fischen predigte. – Albert Schweitzer, der Urwaldarzt von Lambarene in Afrika, später Friedensnobelpreisträger, entwickelte aus dem Zusammenleben mit den Tieren das Gesetz, das uns allen einleuchten müsste: „Du bist Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Den Tieren verdanken wir ungeheuer viel.
„Jeder Hund ist besser als kein Hund“ sagte Konrad Lorenz.
Mit Tieren werden wir älter und bleiben gesünder und zufriedener.
Auch Jesus hält uns die Natur als Lehrstück vor: Schaut auf die Vögel, seht die Lilien, lernt von ihnen, sie sind im Zusammenhang, sie ruhen in sich selbst; aber ihr seid oft aus dem Gleichgewicht. Dieses Unrundsein des Menschen aus Grübeln und zu großen Sorgen könnten wir ablegen beim ruhigen Beobachten der Tiere.
Jedenfalls bleiben Tiere und Menschen verwickelt in eine gemeinsame Zukunft: Paulus sagt: „Auch das ängstliche Seufzen der Kreatur wartet auf die herrliche Freiheit der Kinder Gottes“.
Gott segne Wald und Feld und lehre allen Menschen die Ehrfurcht.

Erntedank 2018 Sattledt – 7. Oktober, 9.30 Uhr


Dostojewski meinte, die beste Definition des Menschen wäre: undankbarer Zweibeiner. Ich meine, der Mensch bzw. der Christ sollte definiert werden als: danksagendes Wesen.
Wir können heute einmal auch für die Tierwelt danken: die einen arbeiten für uns, andere sind Spielgefährten, andere schenken uns Nahrung. Unser Papst hat in seinem Umwelt-Rundschreiben vor 3 Jahren geschrieben: „Jedes Geschöpf  hat eine Funktion und keines ist überflüssig...“ Bei den Gelsen und Fliegen ist das allerdings noch nicht ganz geklärt, wofür die gut sind. Auf jeden Fall muss man immer wieder staunen, mit welchen Fähigkeiten jedes Mitgeschöpf ausgestattet ist: wenn Geckos oder Käfer durch ihre Haftelemente mühelos an Decken und Wänden herumlaufen, oder wenn ein Mauersegler 3 Jahre ohne Zwischenlandung sich in der Luft aufhält…Der Papst vertritt die Überzeugung, „dass sämtliche Geschöpfe des Universums durch unsichtbare Bande verbunden sind und wir alle miteinander eine Art universale Familie bilden.“ Das Aussterben einer Art ist so etwas wie eine Verstümmelung dieses großen Organismus.
Wir staunen über die Präzision, mit der der Schöpfer das ganze Universum, unsere Erde, den menschlichen Körper und alles Leben geplant und ausgeführt hat: sei es die exakte Schrägstellung unserer Erdachse, durch die wir den Wechsel von Sommer und Winter haben; die 100.000 Milliarden Verbindungsmöglichkeiten der menschlichen Gehirnzellen, die mathematisch perfekt gebaute Blume, das Sechseck der Honigwabe…
Die Bibel sagt, dass der für unsere Augen unsichtbare Gott uns in den Wundern der Natur viele, viele Hinweisschilder gegeben hat auf IHN, unseren Schöpfer, der einfach wunderbar sein muss!
So können wir täglich auch das, was Mühe macht, mit Dank annehmen: - für die Wäsche und den Bügelberg, was bedeutet, dass ich genug zum Anziehen habe; für die Person, die in der Kirche falsch singt, was bedeutet, dass ich noch gut höre; für den Wecker, der morgens klingelt, was bedeutet, dass mir ein neuer Tag geschenkt ist!

Erntedank 2018 – 9 Uhr Stiftskirche

Reinhard Mey erzählt in seinem Lied „Der Marder“, wie er eines Nachts Geräusche auf dem Dachboden hört. Er sieht schließlich, dass sich dort eine Marderfamilie für den Winter einquartiert hat. Zuerst denkt er daran, sie zu vertreiben, weil Marder ja Autokabel anknabbern. Aber dann kommen ihm Zweifel: wer richtet mehr Schaden an – der Marder oder der Mensch? Schließlich entschließt sich der Sänger, die Marderfamilie aufzunehmen. Und er singt: „Wir nennen es Mensch-Tier-Wohnprojekt, wir begegnen einander mit Respekt!“
Es gibt viele Gäste in menschlichen Behausungen: Die Schwalbe unterm Dach macht sich nützlich und frisst Insekten weg. Der Regenwurm im Garten lockert den Boden auf. Den Singvogel möchten wir im Garten und bauen des halb Nistkästen, weil seine Nähe uns erfreut. Und was für Wohnhäuser gilt, gilt auch für Kirchengebäude: in einem alten Psalm – vor etwa 2500 Jahren – wird gebetet: auch der Sperling findet ein Haus, die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, Herrr!  – Der Beter freut sich, dass Spatz und Schwalben im Gotteshaus ein- und ausfliegen und auch auf dem Altar Rast machen. 
Unser Papst hat in seinem Umwelt-Rundschreiben vor 3 Jahren geschrieben: „Jedes Geschöpf hat eine Funktion und keines ist berflüssig...“ Bei den Gelsen und Fliegen ist das allerdings noch nicht ganz geklärt, wofür die gut sind. Er vertritt die Überzeugung, „dass sämtliche Geschöpfe des Universums durch unsichtbare Bande verbunden sind und wir alle miteinander eine Art universale Familie bilden.“ Das Aussterben einer Art ist so etwas wie eine Verstümmelung dieses großen Organismus.
Die Bibel sieht Mensch und Tier in besonderer Weise verbunden. Beide sind am sechsten Tag erschaffen, beide sind von der Erde genommen. Beide sind von Gott gesegnet. Beiden ist die Ruhe des siebten Schöpfungstages geschenkt. Die Bibel gibt den Menschen eine besondere Verantwortung gegenüber den Tieren.
Heute möchte ich daher einmal für unsere Tierwelt danken. Was wäre unser Leben ohne Tiere? Viele arbeiten für uns – wie die Bienen, die Pferde; manche sind Spielgefährten – Katzen, Hunde, andere bewundern wir wegen ihrer Schönheit oder Größe, wieder andere versorgen uns mit Wolle, Leder, Milch, und Fleisch.
Erntedank: Wir danken dem Schöpfer für die gigantische Weisheit, mit der alles erdacht wurde; wir danken den Mitgeschöpfen, Mensch und Tier, wir danken für die Vielfalt und Buntheit unserer Schöpfun

 

 

26. Sonntag B 2018, 20/30. September, 19 h VA, 8 h Kirchberg
Zum Evangelium: eine radikale Sprache – die orientalische Bildersprache, die unmissverständlich eine Lebensänderung fordert, wo es notwendig ist. Übersetzt meint der Sager vom „Auge ausreißen“ oder „Hand abhauen“: trenne dich ein für allemal von einer Haltung, von einer Sache, vielleicht auch von einer Person, wenn diese deinen rechten Weg behindert – auch wenn das sehr weh tun kann (wie es eben schmerzt ein Körperglied zu verlieren...)
Jesus warnt eindringlich vor den fatalen Folgen unmenschlichen Handelns und verwendet auch den Begriff „Hölle“. In Österreich glauben – laut Paul Zulehner – 19 % an die Existenz der Hölle. Hölle würde bedeuten: das Leben ist total gescheitert, ein Mensch ist, statt immer menschlicher, liebevoller zu werden, zu einer Bestie geworden und bereut nichts. Ob es für eine solche Existenz Rettung gibt? Kein Mensch weiß das.
Im Glaubensbekenntnis kommt das Wort Hölle  nicht vor. Das bedeutet:
GLAUBEN wollen wir, d.h. vertrauen wollen wir darauf, dass Gott alle letztendlich rettet, jedem gleichsam den Rettungsring zuwirft. Mich tröstet immer das Wort des hl. Petrus: beim Herrn ist ein Tag wie 1000 Jahre – würde man das wörtlich nehmen, dann wäre eine tausendstel Sekunde ca. 6 Minuten. Das gibt Hoffnung, dass jeder Mensch am letzten Ende, auch wenn`s ganz schnell gehen sollte, noch die Möglichkeit bekommt, sich auf seine persönliche Begegnung mit Gott vorzubereiten.
Christus geht es jedoch offenbar darum, dass Menschen nicht das eigene Leben oder das von anderen zur Hölle machen. Er bezeichnet es als furchtbare Schuld, wenn Erwachsene Kinder zum Bösen verführen oder sich an ihnen vergehen. Jesus droht nicht mit der Hölle, sondern rät mit überdeutlichen Worten, Sackgassen und Irrwege zu verlassen. Bei jeder Tauffeier wird die Frage nach der Bereitschaft gestellt, dem Bösen zu widersagen, damit es nicht Macht über uns gewinnt.
Jesus Worte sind eine Heils- und Frohbotschaft! Sie kommen nicht von einer angstmachenden Person, sondern aus dem Mund eines Liebenden, dem es um unser Leben und unser Glück geht.
Als Orientale liebte Jesus die Bildersprache: in liebender Weise stellt er uns mit drastischen Bildern vor Augen, was geschieht, wenn jemand einen anderen verführt, ihn/sie vom Sinn des Lebens wegführt, in die Sackgasse der Gier, der Gewalt, des Egoismus. Es geht um gelingendes Leben oder um missglücktes Dasein – also um alles.

 

25. Sonntag B – 23. September 2018, 8 Uhr Kirchberg, 9 Uhr, Rohr
Ich kann mir die geschilderte Szene ungefähr so vorstellen – Jesus bespricht mit seinen 12 Freunden, wie seine unmittelbare Zukunft aussehen wird: „Mein baldiges Ende ist unausweichlich; alle Propheten sind hingerichtet worden; aber ich kann nicht anders – ich muss meinen prophetischen Auftrag erfüllen – bereitet Euch darauf vor!“ Und die Apostel ziehen sich etwas zurück; da kommt die Frage auf: wer wird seinen Platz einnehmen? Wer ist eigentlich der Geschickteste, der Größte unter uns…?
Daraufhin werden sie belehrt, was wahre Größe ist: ein Kind wird in die Mitte gestellt. Die Mitte ist der Platz, wo der Rabbi stand, umringt von seinen Schülern. Diese Geste allein war schon sehr provokant – ein Kind soll unser Lehrer sein? Zur Zeit Jesu hatten Kinder keinerlei gesellschaftliche Achtung, sie dienten eigentlich nur zur Altersvorsorge.
Wenn ich die Frage stellte: würdest du gern noch einmal Kind sein? Oder: was war besonders schön in der Kindheit? Ich selbst würde antworten: das Schönste war die Unbeschwertheit! Wir brauchten uns um nichts zu sorgen! Darum geht’s wohl: unbeschwert durchs Leben gehen zu können! Ich werde in 2 Wochen durch Portugal pilgern gehen und habe vor, nicht mehr als 2-3 kg auf dem Rücken tragen. Eine gute Einübung ins Loslassen. Meistens tragen wir Erwachsene viel zu viel Gepäck durchs Leben: wir schleppen oft Verletzungen mit, wir können Vergangenes oft nicht abschließen oder machen uns zu viele Sorgen ums Morgen. Frei Roger Schütz, der Prior von Taizé, sagte gern: in Taizé, dem interkonfessionellen Jugenzentrum, essen wir nur mit 1 Löffel. 2 Drittel des Bestecks sind eigentlich nicht unbedingt notwendig – genauso wie wir auf 2/3 unserer Sorgen verzichten könnten…
Der französ. Schriftsteller George Bernanos meint, das Wichtigste im Leben sei, bis zum letzten Moment Kind zu bleiben und das Kind in uns nicht zu unterdrücken um den Preis des Erwachsenseins. Nach Erkenntnissen der Biologie ist das einzige Organ, das nicht wächst, das Auge. Diese Aussage ist ein Sinnbild: so sehr sich auch unser Leben weiten und wandeln mag, den Blick des Kindes sollten wir uns immer bewahren, vor allem das Staunen vor den vielen kleinen Wundern, die Sorglosigkeit, weil wir Gottes Kinder sind!
Laut Evangelium ist derjenige groß, der das Herz und den Blick eines Kindes hat. Echte Größe liegt darin, dem anderen Bruder oder Schwester zu sein.
Zum Schluss ein Text von Michel Quoist: Ich liebe die kleinen Kinder, sagt Gott, weil in ihnen mein Bild noch nicht getrübt ist. Sie haben mein Ebenbild nicht verpfuscht. Ich liebe die Kinder, weil sie noch fähig sind, größer zu werden,weil sie noch fähig sind, sich zu erheben. Sie sind unterwegs und ich will, dass alle ihnen gleichen!

 

 

24.Sonntag B - 16. September Bergmesse Rohr, Födinger-Alm


Es heißt: „Die Schöpfung ist die Schönschrift Gottes.“
Alle Geschöpfe strahlen ihren Schöpfer wieder: die Sonne seine Hoheit, die Früchte seine Freigebigkeit, die Tiere seine Lebenskraft, das Feuer seine Liebe, die Berge seine Größe, das Meer seine Tiefe, Mond und Sterne seine Unendlichkeit.  Solches Staunen ist bereits Gebet. Die ganze Natur ist voller Stimmen. Alles in ihr ist Gesang.
Der große spanische Architekt Antonio Gaudí hat sich von der Natur abgeschaut zu bauen: Ein Stengel, ein Grashalm verzweigt sich oben und hat dadurch besonderen Halt. Nach diesem Modell hat er in der berühmten Familienkirche in Barcelona seine Säulen gebaut.

Die Schöpfung ist unsere Energiequelle. Wer viel draußen ist, hat eine gute Farbe. Wasser beruhigt; die Blumen – z.B. die Sonnenblumenfelder strahlen uns an; der Blick in den Nachthimmel lässt uns die Ewigkeit ahnen und vielleicht erscheint uns dann manches irdische Problem etwas unbedeutender…


Warum hat Jesus wohl seine Antrittsrede auf einem Berg gehalten und nicht am Strand des Sees Gennesareth? Warum wurden die 10 Gebote auf einem Berg gegeben? Die Antwort ist wohl: wer aufwärts geht, scheut keine Anstrengung, will vielleicht mehr als die, die es sich bequem machen. So glaube ich, sagt Jesus: Euch traue ich zu, dass Ihr meine anspruchsvollen Ziele versteht und mit mir eine Welt der Geschwisterlichkeit und des Friedens errichten wollt…

 

20. Sonntag B – 19. August 2018, 19 h VA/ 8h Kbg/ 9.15 Stiftskirche


Heute hörten wir den letzten Abschnitt der „Brotrede“ aus dem Johannesevangelium. Wir können fragen: kann man von Gott, den wir nicht sehen können, so fasziniert sein, dass man solches Verlangen nach IHM hat, ähnlich wie man sich 3x täglich auf das Essen freut? –Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass unser Gott Freude dran hat, uns zu überraschen und Begegnungen aller Art mit uns zu suchen. Wenn ich den Tag mit dem Gedanken beginne: heute möchte ich mit dir, Gott, etwas erleben! Oder: du wirst mir jetzt sicher helfen, z.B. das Verlorene zu finden oder dass dieses Vorhaben gelingt! Oder wenn ich am Abend zurückblicke, wie sich der himmlische Vater um mich bemüht hat – dann führen manche solcher Erlebnisse auch zu größerer Liebe und Dankbarkeit Gott gegenüber.
Ein zweiter Gedanke: welche Konsequenzen ergeben sich, wenn wir an einen Brot gewordenen Gott glauben? Dazu hat Bert Brecht in seiner "Dreigroschenoper" folgende etwas derb klingenden Worte geschrieben: Ihr Herren, die ihr uns lehrt, wie man brav leben  und Sünd und Missetat vermeiden kann:  Ihr, die ihr euren Wanst und unsere Bravheit liebt - das Eine wisset ein für allemal: erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Erst muss es möglich sein, auch den armen Leuten vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden. - Schade ist, dass 2 Milliarden Christen es nicht schaffen, Elend und Hunger aus der Welt zu schaffen. Es ist einfach unbegreiflich, dass Donald Trump mehr als 600 Milliarden Euro für Rüstung freigibt anstatt in Strukturverbesserungen in Afrika zu investieren. Das wäre die beste Investition gegen Terror…. Andererseits bleibt die Frage: wie sähe eine Welt ohne Christen aus? Immerhin leisten die christlichen Gemeinden sehr viel – wie durch die jetzige Augustsammlung – dass in vielen Teilen der Erde Hilfe zur Selbsthilfe gegeben wird.
Eine Frage richte ich an mich selbst: bin ich ein eher hartes Brot für andere, oder zu weich - bin ich wie knuspriges Brot? Dolores Bauer hat einmal in der „Erfüllten Zeit“ dieses Gebet gesprochen: Gott, du Bäckerin, ich bin dein Brot,  dein flacher, weicher Leib, der Gestalt annimmt.
Ich bin gut geknetetes Brot. Lege mich in dein Feuer, Gott, du Bäckerin,
lege mich in dein helles Feuer. Ich bin überzeugt: jeder Mensch hat die Berufung, einem duftenden, geschmackvollen, sättigenden Brot ähnlich zu werden; vorbildlich zu handeln, sodass sich andere eine Scheibe abschneiden können. Teilweise werden wir’s schaffen – wir haben ja ein Leben lang Zeit dazu. Was an uns ungenießbar bleibt, wird – darauf vertraue ich - im Backofen der Liebe Gottes einmal vollendet werden (ein vielleicht zeitgemäßeres Bild für das alte Wort Fegefeuer).

 

Maria Himmelfahrt – 15. August 2018, 9 Uhr, Rohr (Patrozinium)

1936 wurde der Film „Modern times“ mit Charlie Chaplin gedreht: Charlie, der Akkordarbeiter, steht am Fließband; die Maschinerie läuft immer schneller, er liegt schließlich selbst auf dem Band und kommt zwischen die großen Zahnräder einer riesigen Maschine, die ihn zwar nur weiterdrehen und schließlich wieder ausspucken. Dieser Film ließ die Leute vor 80 Jahren schon erahnen, wie die Zeit immer schneller wird und der Mensch oft Opfer dieser ständigen Beschleunigung wird. Am Ende der Szene wird Charlie verrückt. – 14 Jahre später wurde von der Kirche ein Dogma verkündet, das die Würde des Menschen und des menschlichen Körpers betonte.
Das heutige Fest „Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele“ bedeutet nicht, dass wir im Jenseits unseren irdischen Leib wieder haben werden (das möglicherweise auch), sondern dass alles an uns, die guten und schwierigen Seiten an uns, alle Erfahrungen, die wir gemacht haben, himmelstauglich werden! Ich als Ganzer werde bei Gott ankommen, auch das Negative an mir wird erlöst.
Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung wurde einmal von seinen Studenten gefragt: "Herr Professor, wo ist der Himmel?" Jung hab zur Antwort: "Ich weiß es nicht, fragt die Theologen. Aber eines weiß ich: Wer nicht an den Himmel glaubt, wird depressiv". Es ist so: Wer nicht an seine Vollendung durch Gott glaubt, wird schwermütig, glaubt nicht an die Liebe, die Gott jedem schenken will.
Das heutige Fest wird im 4. Gesätzchen des glorreichen Rosenkranzes ins Gebet hineingenommen – der dich, o Jungfrau in den Himmel aufgenommen hat. Bischof Reinhold Stecher hat den schönen Vergleich niedergeschrieben: wenn wir mit oder zu Maria beten und den Rosenkranz verwenden, ist das so ähnlich, wie wenn ein Fahrzeug auf einem Kugellager sanft dahinrollt. So rollen wir – wenn wir beten – sanft dem ewigen Erbarmen entgegen.
Eine Frau im Altenheim war gestorben und wurde dort aufgebahrt. Die Angehörigen und Freunde kamen zur Verabschiedung und waren alle verwundert, dass die Frau mit einer Gabel in der Hand im Sarg lag. Erst beim Nachruf wurde die Erklärung gegeben: die Frau hatte vorher den Pfarrer gefragt, ob sie mit einer Gabel beerdigt werden könnte, und erläuterte das so: „Im Altenheim war die schönste Ankündigung immer, wenn die Heimleiterin im Speisesaal sagte: behalten Sie die Gabel – das Beste kommt erst! Und dann gab es immer einen herrlichen Kuchen oder sonst eine köstliche Nachspeise. Und ich glaube – sagte die alte Dame – das Beste kommt erst, wenn wir die irdischen Augen für immer schließen!“
Bernadette Soubirous hat 1858 in Lourdes die hl. Maria von Angesicht zu Angesicht gesehen. Sie sagt: "Wer die Gottesmutter nur einmal gesehen hat, möchte am liebsten gleich sterben, um sie wieder zu sehen".

19. Sonntag B 2018 – 8 Kbg, 9.15 Uhr, Stiftskirche Kremsmünster
Über 3 Sätze aus den heutigen Bibeltexten möchte ich einen kleinen Kommentar geben: im Epheserbrief wird den Hörern gesagt, dass sie GOTT NACHAHMEN sollen, indem sie gütig und barmherzig sind und einander vergeben. Menschlich ist es, nachtragend zu sein und den Beleidigten zu spielen. Göttlich ist es, restlos zu verzeihen, großzügig zu schenken, bedingungslos zu lieben. Es wird in der Lesung gesagt, dass Gottes Geist nicht beleidigt werden soll. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass man Gott beleidigen kann. Was wäre das für ein Gott, der sich von einem kleinen Menschen kränken ließe. Umgekehrt bin ich mir aber sicher, dass Gott sich riesig freut, wenn immer mehr Menschen so denken und handeln, wie Gott es tut – nämlich maßlos im Geben, im Verzeihen, im Mitgefühl.
Angesprochen hat mich im Evangelium besonders die 2malige Betonung des Murrens: das Volk murrte, als Christus sich als Brot bezeichnete., das vom Himmel gekommen war. Und er sagte. MURRT NICHT! Vergangene Woche wurde in der Lesung erzählt, dass das Volk Israel gegen Mose murrte, weil sie in der Wüste hungerten. Judas murrte, als bei der Salbung der Füße Jesu ein sehr teures Öl verwendet worden war... Schlimm ist es, wenn Murren, Nörgeln, Raunzen zu einer Haltung wird. Darum schreibt auch der Hl. Benedikt in der Ordensregel einige Male, dass das Murren keinen Platz haben soll. An 8 Stellen insgesamt betont Benedikt, dass das Murren ein großes Laster ist und unter allen Umständen gemieden werden soll.
ICH BIN DAS BROT DES LEBENS! Manche Kinder essen gern nur das weiche Innere und lassen die Rinde liegen. Auch das Brot, mit dem sich Jesus vergleicht, hat manchmal eine dicke Rinde. Als harte Rinde empfindet der eine die Aufforderung, seinen Besitz großzügig zu teilen; ein anderer würgt an der christlichen Weisung, ein Unrecht zu vergessen und zu verzeihen. Vielen liegt im Magen, niemanden verurteilen zu dürfen…Den ganzen Jesus braucht die Welt als Nahrung. - Wenn Er das Brot ist, hat er sich wohl eine Kirche vorgestellt wie einen Bäckerladen: eine Bäckerei ist einladend, weil’s da gut duftet, weil es frisches Brot gibt, eine Vielfalt an Angeboten. Darum ist es auch im kirchlichen Bereich wichtig, den Menschen kein hartes Brot zu geben, nichts Veraltetes, Unverdauliches anzubieten. Aufgabe der Kirchenleitung, des Klerus und aller Mitarbeiter muss es sein, eine frische Sprache zu finden, sättigende spirituelle Inhalte zu vermitteln. Gott ist wie frisches, knuspriges Brot!
Ein Volksstamm im afrikanischen Ghana feiert einmal jährlich das Ohum-Fest, eine Art Erntedank. Es ist aber auch ein Fest der Versöhnung. Obwohl es kein christliches Fest ist, hat es Ähnlichkeiten mit einer Messe: An einem Sonntagmittag versammeln sich alle auf dem großen Dorfplatz. Die Ältesten und Anführer der Krieger bringen jeder einen großen Krug Palmwein und gießen ihn in ein Gefäß, das der Dorfpriester aufgestellt hat. Dann trinken alle mit einem gemeinsamen Schöpfgefäß von dem Palmwein. Vorher allerdings muss jeder erklären, dass er keinem andern Böses nachträgt, sonst muss er die Versammlung und das Fest verlassen und erst die Streitigkeiten mit seinem Gegner beilegen.
Wir sind zum Genießen Gottes geschaffen. Obwohl wir Gott nie gesehen haben, sind wir wie Zugvögel, die an einem fremden Ort geboren, doch eine geheimnisvolle Unruhe empfinden, wenn der Winter naht, eine Sehnsucht nach der frühlingshaften Heimat, die sie nie gesehen haben und zu der sie aufbrechen, ohne zu wissen, wohin. Ernesto Cardenal
Ja, Gott, dir zu danken haben wir allen Grund. Aus Nichts hast du den Kosmos erschaffen; du hast uns Menschen ins Dasein gerufen und uns deine Gemeinschaft geschenkt.  Du bist besorgt um unser Glück. Du bist da, wenn wir beten und schweigen. Du bist da, wenn wir zweifeln und leiden. Du bist in unserer Mitte, wenn wir uns in deinem Namen versammeln, jetzt, in dieser Stunde. Mit allen die dich kennen und lieben stimmen wir ein in den Lobpreis:
Vater, wir danken dir für das größte Wunder, das je geschehen ist, die Auferweckung Christi. Wo Menschen sich für das Leben einsetzen inmitten von Unfrieden und Leid, erleben wir schon Auferstehung.
Wir beten für unseren Papst Franziskus, für alle Frauen und Männer, denen du Aufgaben und Dienste anvertraut hast; und für die Gemeinschaft aller Getauften, dass die Kirchen zu Orten der Freiheit und Menschenfreundlichkeit werden.
Nahe fühlen wir uns auch allen Verstorbenen. Wir beten und danken für alle, die uns in Freundschaft und Liebe verbunden waren.
Durch Jesus von Nazareth sind wir deine Kinder. Du bist unser aller Mutter und Vater. Überall dort, wo dein Reich bereits Gegenwart ist, sind wir Schwestern und Brüder, von Mensch zu Mensch, von Kontinent zu Kontinent,durch Christus unseren Bruder

 


18. Sonntag B 2018, 5. August

Wenden wir uns zuerst der Lesung zu: für das MANNA gibt es laut Bibeltheologie eine recht einleuchtende Erklärung – die Tamariskus-Staude in der Wüste scheidet zu bestimmten Zeiten ein Sekret aus, das zur Erde tropft und in kühler Nacht hart wird. Tags darauf lassen sich die weißen, süßlichen Gebilde aufsammeln. Der Geschmack ist fein und knusprig und wird von den Wüstenbewohnern heute noch gern gegessen. Die WACHTELN überfliegen  - damals wie heute – in großen Scharen 2x im Jahr die Halbinsel Sinai. Die von den langen Flügen übermüdeten Tiere lassen sich auf dem Boden leicht fangen. – Das Volk Israel hat in diesem natürlichen Vorgang ein Zeichen des fürsorglichen Gottes gesehen.
Das heutige Thema „Nahrung“ erfährt eine große Steigerung in der Aussage Jesu: ICH bin das Brot des Lebens! – Schauen wir zuerst einmal, was er nicht sagt. Er sagt nicht „Ich bin der Gesetzestext, der fleischgewordene göttliche Paragraph. Daran hat sich jeder zu halten!“ Auch sagt er nicht: „Ich bin die Musik, die dich begleitet wie ein Ohrwurm!“ Oder: „Ich bin die süße Nachspeise, um dir den Alltag zu versüßen!“ Nein, die klare Aussage ist: Ich bin das tägliche Lebens-Mittel, an dem du dich nie satt essen wirst, von dem dir auch nie schlecht wird!
Ein Beispiel aus der Geschichte, was richtige Nahrung bewirken kann: 1798 fand in Ägypten die Seeschlacht zw. Frankreich und England statt. Napoleons Soldaten waren gut gepflegt, konnten aber den kraftvollen Engländern unter Admiral Nelson nicht widerstehen. Das Geheimnis der Engländer war: Rohes Sauerkraut und Zitronensaft! Für die englischen Soldaten waren viele Fässer mit Sauerkraut an Bord der Schiffe, und in jedem Hafen wurden Zitronen und frisches herbeigeschafft. - Napoleons Soldaten hingegen waren mit einer neuartigen Konservenkost ernährt worden, ihnen fehlten die Vitamine!
Jesus Christus bezeichnet sich als das unentbehrliche Grundnahrungsmittel. Freilich hat dieses Brot manchmal eine dicke Rinde, d.h. manche Inhalte der Jesus-Botschaft klingen hart und sind nicht leicht verdaulich. Als harte Rinde empfindet der eine die Aufforderung, seinen Besitz großzügig zu teilen; ein anderer würgt an der christlichen Weisung, ein Unrecht zu vergessen und zu verzeihen. Vielen liegt im Magen, niemanden verurteilen zu dürfen…
Wörtlich sagt Christus: „Wer meine Worte kaut, hat das ewige Leben!“ Bedenken wir, was das langsame Kauen bewirkt:
• man empfindet den guten Geschmack, wenn es langsam gegessen wird
• Mund und Atem werden durch das Kauen erfrischt
• gut gekaut ist halb verdaut – wir sind aufgefordert, das ganze Evangelium durchzukauen; es trägt das Versprechen in sich, satt zu machen, das volle Leben zu bewirken.
Ich bin das Brot des Lebens!  Eine Wort, das gern auch auf die Kommunion bezogen wird. Ein Kind, das gestillt wird, bekommt Nahrung für Körper und Seele. So haben auch die alten Kirchenväter geschrieben, dass uns  Christus bei der Kommunion stillt (ein etwas ungewohntes Bild – es bedarf hier wieder der Vorstellung, Gott weiblich zu denken). Jedenfalls ein schöner Gedanke, dass wir im Leib Christi etwas Gutes, Heilvolles bekommen, ähnlich wie die Muttermilch den Säugling kräftigt und schützt.

 

17. Sonntag B 2018 – Turmkreuzsteckung Sattledt, 9 Uhr

Eine schöne, offene Kirche ist ein wichtiges Zeichen in einer Gemeinde oder Stadt: bei meiner Fahrt durch Rumänien vor 2 Wochen ist mir besonders aufgefallen: die meisten Kirchen waren heruntergekommen und meist auch geschlossen, obwohl das Kirchenrecht verlangt, dass jede Pfarrkirche tagsüber geöffnet sein muss. Eine renovierte Kirche ist Zeichen: hier ist eine lebendige Gemeinde zu finden! Der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner hat den schönen Text geschrieben: Eine der großen Stärken der Kirchen ist: Kirchen halten uns den Himmel offen! Die Türme weisen nach oben! Es gibt mehr als das Materielle...Die Erde ist uns stets eine Nummer zu klein. „Strebt nach dem, was droben ist!“ sagt der hl. Paulus.
Das Turmkreuz, das heute gesteckt wird, ist ebenfalls ein aussagekräftiges Symbol – es besagt: hier an diesem Ort leben Christen, die versuchen, wie Jesus zu leben. Das Kreuzzeichen ist der besondere Ausdruck für Vergebung. Bekannt ist sicher die Erzählung vom Sonnenkönig Ludwig dem XIV., der 72 Jahre regierte – bis 1715, gegen den einmal eine Verschwörung angezettelt wurde, die aber misslang. Er ließ nun von einem seiner Getreuen eine Liste anfertigen mit den Namen aller, die an der Verschwörung beteiligt waren. Jener Mann verwendete eine Liste des gesamten Hofpersonals und zeichnete vor den Namen aller Schuldigen ein Kreuzerl. Als Ludwig die Liste zur Hand nahm, rief er entsetzt aus: „Was haben Sie da getan? Bedeutet das Kreuzzeichen nicht Begnadigung? Sie haben es mir unmöglich gemacht, die Leute zu bestrafen... Alle sind begnadigt!“ - Also das Kreuz auf dem Turm will weithin verkünden: hier leben versöhnte Menschen!
Unter dem 1,80 m hohen Kreuz befindet sich die goldene Kugel (sie ist jetzt bereits auf dem Turm montiert). Sie ist Hinweis auf die Erde, und zwar die verklärte oder erlöste Erde, die neue Erde, die uns nach dem Tod erwartet. Wenn wir also auf das Turmkreuz schauen, haben wir die wichtigsten Aussagen unseres Glaubensbekenntnisses vor Augen: wir glauben an Christus, der für uns gekreuzigt wurde, wir glauben an die Vergebung der Sünden, wir glauben an das Ewige Leben.

16. Sonntag B 2018 – 22. Juli, VA 19 h Mich,kap. / 9 Uhr Rohr (Fahrz.segnung)

Zuerst einen Hinweis zur Lesung: Christus stiftete Frieden und versöhnte Juden und Heiden.  Damals war es eine der größten Schwierigkeiten, Menschen verschiedener religiöser Herkunft in dem einen Glauben zu verbinden. Zuallererst geht es freilich um die Einheit innerhalb einer Gemeinde. In Afrika gab es diesbezüglich einen interessanten Brauch: bevor der Missionar zur Feier des Gottesdienstes kam, schickte er an den Dorfältesten  einen Grasbüschel. Der gab ihn mit der Einladung zur Messe an seinen Nachbarn weiter. Das ging aber nur, wenn die beiden in Frieden miteinander lebten. Hatte er Streit mit ihm, musste er sich zuerst versöhnen. So lief der Grasbüschel von Haus zu Haus. Und erst, wenn dieses Zeichen des Friedens wieder zum Missionar zurückgekehrt war, machte er sich auf den Weg zur Eucharistiefeier. Kam der Grasbüschel nicht zurück, ging der Priester in ein anderes Dorf.
Auch unsere Messfeiern sind dann glaubwürdig, wenn lauter versöhnte Menschen feiern. Wenigstens in Gedanken sollten alle versöhnt sein.

Ein Blick nun auf den Evangelienabschnitt –  ein sympathischer Text, der in die Urlaubszeit passt: „Kommt, ruht euch ein wenig aus!“ Ein ständig gespannter Bogen verliert an Spannkraft und taugt zu nichts mehr.
Es ist empfehlenswert, bei der Tagesplanung großzügig eine Zeit des Auftankens immer einzuplanen, um wieder Kraft und Freude für die Weiterarbeit zu haben.
Der Hl. Bernhard v. Clairveaux schrieb die bekannten Zeilen an seinen Mitbruder und Schüler, den späteren Papst Eugen III: „Wenn du dein ganzes Leben für die Tätigkeit, für das Schaffen aufwendest, für die Besinnung aber nichts – soll ich dich da etwa loben? Du willst für alle da sein, nur nicht für dich selbst. Wer gegen sich selbst nicht gut ist, wem kann der gut sein? Nimm dir Zeit für dich selber, zieh auch du selbst Nutzen aus dir!“ In diesem Sinn ergeht die Einladung Jesu auch an uns: „Kommt, und ruht euch ein wenig aus!“

Morgen/heute ist Christophorussonntag. Fahrzeuge werden gesegnet. Es ist gut, wenn wir unsere Mobilität unter den Segen Gottes stellen. Beim Segnen ist manchmal die Frage: wer darf das machen? Gut ist es, wenn alle Getauften aus ihrer Taufgnade heraus andere segnen! Am 2. Dezember 2017 war in Innsbruck eine Bischofsweihe. Die Eltern von Bischof Hermann haben ihren Sohn vor der Weihe noch gesegnet.
Die Frau des seligen Franz Jägerstätter bekam vom Papst einmal eine Privataudienz. Am Ende der Audienz erhielt sie den päpstlichen Segen. Dann fragte sie den Papst, ob sie ihn auch segnen darf. Und er hat das gern angenommen.
Ja, es gibt nichts Größeres, als dass ein Mensch zum Segen für andere wird. Dann wirkt er wahrhaft priesterlich.

14. Sonntag im Jahreskreis B – 8. Juli 2018, 9 Uhr, Rohr

„Den kennen wir schon!“ sagen die Leute in Nazareth. Auch wir, die  wir nicht seine Landsleute und Zeitgenossen sind, kennen relativ viel von ihm. Es gibt eine Beschreibung über Jesus, die der jüdische Römer Publius Lentulus verfasst hat: In unserer Zeit ist ein Mann von einzigartiger Tugend bei uns erschienen, den seine Freunde SOHN GOTTES nennen. Er ist von schöner Gestalt und zieht die Blicke auf sich. Seine Haare sind lang und glatt bis zu den Ohren, von da an gehen sie über in Locken. Seine Nase ist wohlgeformt, er trägt einen Bart, etwas dunkler als die Haare. Dieser Mann, liebenswert in seinen Gesprächen, kann sehr wütend werden, wenn er Unterdrückung wahrnimmt. – Soweit der römische Schriftsteller. Weitere Informationen ergeben sich aus der Geschichtsforschung: der Beruf, den er ausgeübt hat, wird im Griechischen „tektón“ genannt; das waren Bauhandwerker, die Holz und Stein bearbeiteten, für alles zuständig vom Zeichnen eines Planes bis zum Dachdecken. Meist hatten Handwerker auch ein 2. berufliches Standbein, wenn es im Baugewerbe wenig Arbeit gab. Die meisten waren in der Landwirtschaft tätig. Die vielen Gleichnisse aus der Natur, die Jesus erzählt, lassen darauf schließen, dass er häufig am Land zu arbeiten gewohnt war.
Nach einer Überlieferung war er 19 Jahre alt, als Josef starb. Es war der Tradition entsprechend nun seine Aufgabe, für die übrigen im Haus lebenden Personen zu sorgen.
Es heißt im Evangelium, dass seine Brüder und Schwestern in Nazareth lebten. Diese könnten – sollte es sich um keine leiblichen handeln – Cousins und Cousinen gewesen sein, da man in der Muttersprache Jesu für „Geschwister“ und „Geschwister Kinder“ dasselbe Wort verwendete. Es könnten auch Halbgeschwister aus einer früheren Ehe Josefs gewesen sein.
Seine Berufung war es, als Rabbi, als Wanderprediger mit seiner Schülergruppe die Menschen im Glauben zu unterweisen. Seine Predigt kam bei seinen Landsleuten, die ihn als einfachen Bauhandwerker kannten, nicht an. Sie sagten, er ist nicht weit her, darum kann auch seine Lehre nichts Besonderes sein. Auch heute suchen viele das Exotische, weil sie meinen, die eigene Religion kennt man schon gut genug. – Wahrscheinlich wollte der Evangelist Markus seine Gemeinde mit dieser Erzählung trösten, wenn auch schon im 1. Jh. die Botschaft nicht immer ankam.
Die Frage, die Markus wohl allen Lesern stellt, ist: kann Jesus bei dir ankommen und etwas ausrichten? Oder kommt er höchstens bis zu deinen Ohren? Nimmst du sein Wort, seinen Ton auf, damit du richtig gestimmt bist und Wohlklang verbreitest…?

Es wird im heutigen Abschnitt die alles entscheidende Frage gestellt: WER IST DIESER?  Paulus hat später die sehr deutliche Antwort gegeben: er war auf dieser Erde ganz und gar, zu 100% Mensch mit denselben Startbedingungen wie wir alle. Nach der Auferstehung wurde er als Sohn Gottes in Macht eingesetzt, in allem Gott gleich! Darum sind seine Worte absolute Richtschnur! Gerade in Grenzsituationen bekommt Jesu Name, seine Person für mich ein besonderes Gewicht, wenn ich z.B. an einem Sterbebett sprechen kann: Jesus, dir leb ich, Jesus dir sterb ich!
Gott, die Ewigkeit, das Unvorstellbare hat durch Ihn ein freundliches, faszinierendes Gesicht bekommen.

 

 11. Sonntag B 2018 – 17. Juni, 8 h, Stiftskirche Krm./ 9 Uhr Rohr

Die Senfkörner sind bei uns normalerweise weiß, in Israel sind sie schwarz und viel kleiner: etwa 1000 Körnchen wiegen nur 1 Gramm, d.h. Etwa 1 Million Körnchen ergeben 1 Kilo. Und ein einziges in die Erde Gesätes wird etwa 1,5 m hoch. - Jesus hat dieses Gleichnis einer Gruppe gesagt, die voller Ungeduld war, den Zeloten, die mit Gewalt Gerechtigkeit und Freiheit für ihr Land erzwingen wollten, indem sie römische Soldaten von hinten mit Messern attackierten.
Dieses Gleichnis will, glaube ich, einerseits sagen: habt Geduld – das Reich Gottes, d.h. eine Welt, wie Gott sie sich vorgestellt hat, entsteht und wächst unaufhaltsam. Andererseits könnt ihr alle mit Euren kleinen Beiträgen dieses Reich zur Entfaltung bringen und beschleunigen!
Einige Beispiele dafür – wenn ich an die kleine Tat mit großer Wirkung denke, fällt mir als erstes der Mönch Telemach ein, der im Jahr 404 etwas Großes bewegte. In der Stadt Rom fanden immer noch Gladiatorenspiele statt, bei denen sich 2 Menschen in der Arena auf Leben und Tod bekämpften. Ein Mönch namens Telemach ging eines Tages in die Stadt, ging am Stadion vorbei und wurde dort Zeuge eines solchen Kampfes. Er konnte das nicht ertragen, dass Menschen hier brutal kämpften und andere sich daran noch freuen konnten... Er ging zwischen die 2 Kämpfer. Die Zuschauer tobten. Und die zwei Gladiatoren wurden in ihrem Blutrausch so zornig, dass sie den Mann erstachen. Nun wurde es still im Stadion. Ab diesem Zeitpunkt – so berichtet die Geschichtsschreibung – wurden von Kaiser Honorius die Gladiatorenkämpfe für immer verboten; nie wieder fand ein solches Spiel im ganzen römischen Reich statt – ein einfacher Mann, Telemach, hatte dazu beigetragen, wenn auch mit dem Verlust seines Lebens.
Auch wenn wir in unserem Leben keine Heldentaten zu vollbringen haben, gibt es unzählige Möglichkeiten, dem Gottesreich zum Blühen zu verhelfen:
Jedes gute Wort, das jemand einem anderen sagt, ist eine gute Aussaat – wie ein winziges Senfkorn, das Wachstum in sich trägt.
Jede Mühe um Versöhnung ist wie das Säen eines Kornes, das schon das Potential eines Baumes beinhaltet.
In jedem Engagement für eine gerechtere und heilere Welt, mit jeder Spende gegen den Hunger oder sonstige Katastrophen wird Gottes Reich zur Entfaltung gebracht.
Jede Zuwendung zu einem Mitmenschen, jede hilfreiche Handlung an einer kranken oder gebrechlichen Person fällt wie ein Samenkorn in die Geschichte und wird Frucht bringen.
Unsere Aufgabe ist es einfach, gute Samenkörner auszustreuen. Der Herr der Geschichte hat versprochen, dass sie aufgehen und wachsen.

 

 

10. Sonntag - Pfarrfest Sattledt (Vatertag) – 10. Juni, 9.30 Uhr

In der Großfamilie Jesu hat man sich geschämt, dass der junge Wanderprediger enge Kontakte zu berüchtigten Kreisen pflegte. Sie sagen, er ist verrückt. Hier wird auch deren falsches Gottesbild erkennbar: die Verwandten Jesu glauben, der Herrgott könne doch nur bei den Guten und Braven sein, aber nicht bei Randgruppen. - Ähnlich ist es dem steirischen Pfarrer Wolfgang Pucher ergangen, der sich seit langem für Obdachlose einsetzt. In einem anonymen Brief wurde ihm geschrieben: wir Bewohner des Stadtviertels … sind der Ansicht, dass Sie ein großes ….loch sind und hoffen, dass Sie bald abgelöst werden. Es ist eine Frechheit, was Sie sich erlauben. Sie wollen alle Sandler von Graz bei uns ansiedeln lassen. Verschwinden Sie bald freiwillig, sonst passiert noch was!“ Wie hat Jesus auf die Kritik reagiert? Er hat den Familienbegriff erweitert: jeder, der nach seinem Maßstab lebt, wird Teil dieser Großfamilie. Wenn wir heute das Pfarrfest feiern, versuchen auch wir, diese Offenheit zu leben – wir sind eine große Familie, jeder ist an unserem Tisch willkommen.
Zum Vatertag: Es heißt, der Vater ist der erste Fremde, der ins Leben des Kindes tritt (mit der Mutter hatte das Baby schon lange engsten Kontakt). Indem der Vater das Kind anlächelt und bejaht, fühlt der Neugeborene erstmals, „erwählt“ zu sein. Und der Franziskaner Richard Rohr spricht von der positiven männlichen Energie, die vom Vater ausgeht und die den Kindern großes Selbstvertrauen und Sicherheit zu geben vermag: „Wenn ein Vater seinem Kind sagt, dass es etwas Bestimmtes kann, dann kann es das auch. Den Grund dafür kenne ich nicht; ich weiß nur, dass es eine geheimnisvolle Energie gibt, die vom Mann an die Kinder weitergegeben wird. Es ist eine Art schöpferischer Energie. Fehlt diese Energie, ensteht ein Loch.“
Ein Wort zum Großvater: „Groß-Vater-Energie ist still und ruht in sich selbst. Deshalb fühlen sich Kinder oft so wohl in der Gegenwart ihrer Großeltern. Gute Großeltern haben die Freiheit, einfach da zu sein. Und Enkelkinder haben das Gefühl: sie sind nur für mich da. Sie nehmen mich in ihre Welt auf, in der auch ich Ruhe und Sicherheit finde.
Kurz zum 3. heutigen Thema: wir feiern das Pfarrfest vor der verhüllten Kirche. Verhüllung ist ein wichtiger Begriff im Glauben. Wir Gläubige erleben Christus gegenwärtig, können Ihn angreifen und essen, aber in verhüllter Gestalt. Gott kommt verhüllt – Gott versteckt sich in jedem Menschen. Und unser Glaube verspricht uns: einmal wird der Schleier weggenommen. So wie in wenigen Wochen die Verhüllung, das Gerüst entfernt wird und wir dann wieder einen freien Blick auf die schöne Kirche haben werden, so wird uns auf der Schwelle vom irdischen zum jenseitigen Leben der Schleier genommen und wir werden eine neue vollkommene Sicht erhalten und zum ewigen Staunen gelangen!

9. Sonntag im Jahreskreis  B  - 2./3. Juni 2018, 19 Uhr, Michaelskapelle

Thema ist heute der Sabbat. Es war schon ein riesiger Fortschritt, wenn das Volk der Israeliten einen bis heute gültigen freien Wochentag für die gesamte Bevölkerung durchgesetzt hat. In der Sowjetunion wurde 1929 eine andere Regelung eingeführt, um den christlichen Sonntag abzuschaffen: die 5 Tageswoche. Am 6. Tag hatte man frei, aber jeder Arbeiter an einem anderen Tag…Alle Werktätigen wurden in fünf Gruppen eingeteilt, die farblich unterschieden wurden, und jede Gruppe erhielt einen der neuen Arbeitswochentage als Ruhetag. Der Versuch ist gescheitert – das Volk braucht gemeinsame Feiertage!  - Das Sabbatgebot ist entstanden, nachdem die Israeliten jahrhundetelang in der Sklaverei waren und dort keinen einzigen Tag zur freien Gestaltung hatten. Das Gebot legt fest, dass Mensch und Tier nach 6 Tagen ausspannen können. Es geht sogar so weit, dass auch die Natur nach 6 Jahren 1 Jahr Pause hat – das 7. Jahr durfte nicht gepflanzt werden, damit die Erde sich erholt; und das, was trotzdem gewachsen ist, durften die Armen ernten. Das jüdische Volk war also im Bereich der sozialen Gerechtigkeit und der nachhaltigen Landwirtschaft schon sehr weit fortgeschritten.
Für uns Christen ist der 1. Tag der Woche der wichtigste. (Vor)gestern war der Gedenktag des Hl. Justin, der um 150 n. Chr. niedergeschrieben hat, wie man in der Antike den Sonntag gefeiert hat: „Am Tag, der nach der Sonne benannt ist, kommen alle in der Stadt und auf dem Land Wohnenden am gleichen Ort zusammen. Es werden die Erinnerungen der Apostel vorgelesen oder Texte aus den Schriften der Propheten. Dann hält der Vorsteher eine Ansprache, worin er eindringlich mahnt, diese guten Lehren zu befolgen. Dann stehen alle zusammen auf und beten. Schließlich wird Brot und Wein herbeigebracht; der Vorsteher spricht die Segensworte – und alle Anwesenden erhalten Anteil an den Gaben, über welche die Danksagung gesprochen wurde. Den Abwesenden wird davon durch die Diakone geschickt.....Die Wohlhabenden und alle, die es wollen, spenden dann nach eigenem Ermessen. Das Gesammelte wird beim Vorsteher hinterlegt; er sorgt dafür, dass die Waisen und Witwen und Kranken, aber auch Gefangene und Fremde ihren Anteil erhalten.“
Es ist für uns ein Danktag und Tanktag. Ich sage bei der Taufvorbereitung den Eltern immer: gestaltet bitte den Sonntage nach Möglichkeit immer so, dass die Kinder sich später sehr gern an diesen Tag erinnern: ein Feiertag, an dem wir uns mehr als sonst erinnern: wir sind Gottessöhne und Gottestöchter (und das feiern wir möglichst gemeinsam); wir dürfen genießen, wir schenken uns gegenseitig Zeit…
Für Jesus ging`s nicht darum: was darf man am Tag des Herrn nicht tun, sondern: was dürfen wir an diese Tag Gutes tun! – Für Christgläubige ergibt sich dieselbe Einstellung: nicht bloß, dass wir am Sonntag nicht arbeiten sollen und in die Kirche gehen müssen, sondern: es ist mir ein Anliegen, Gott zu danken und den freien Tag zur Ehre Gottes und zur Freude meiner Mitmenschen zu gestalten!

Dreifaltigkeitssonntag 2018, 27. Mai, 8/9 Uhr (Dankgd. Erstkomm.) Stiftskirche

Mit Juden und Muslimen bekennen wir Christen uns zu dem einen Gott. Aber im Unterschied zu diesen beiden Religionen sagen wir: dieser Gott ist nicht ein-sam, sondern die Höchstform von Gemeinschaft! Gott ist Beziehung in höchstem Maß! Und Liebhaber der unendlichen Vielfalt. Das Ziel aller Schöpfung ist, dass in dieser Vielfalt alle eins werden. Dass wir uns zu einer geeinten Menschheitsfamilie weiterentwickeln, in der die Verschiedenheit der Religionen, der Rassen, der Meinungen als Buntheit erlebt wird.
Dreifaltigkeit meint auch: Gott spricht uns durch alle Sinne an: 1. Die Schöpfung ist erfüllt mit sichtbaren Zeichen der Zuneigung des Schöpfergottes. Die Natur ist ein Bilderbuch für unsere Augen, und dieses Buch ist am leichtesten zu lesen. Jede Blume, jede Landschaft Zeichen der Weisheit und der Liebe des Schöpfers. 2. Jesus ist das verlässliche Wort, das wir mit den Ohren aufnehmen; das Ehrenwort, das immer gilt. 3. Der Geist ist der Funke, das Feuer, das wir immer wieder spüren, wenn er uns gute Gedanken eingibt, wenn es uns warm wird in guter Gemeinschaft.
Dreifaltigkeit heißt nicht: 1+1+1, sondern 1x1x1, und das ergibt EINS. Das kann heißen: Gott ist schöpferische, väterliche Weisheit, multipliziert mit der Hilfsbereitschaft eines Freundes (Christus) und noch einmal multipliziert mit größtem Charme, Schönheit und Güte (Hl. Geist ist ja im Hebräischen weiblich).
Das gab es einmal einen Mystiker, Johannes v. Ruysbroeck, der am Meer lebte und zu dem viele Menschen mit ihren Fragen kamen. Einmal wurde er gefragt: Johannes, wie stellst du dir eigentlich Gott vor? Er sagte: Kommt, ich zeig es euch! Sie gingen hinunter zum Strand. „Seht, Gott ist wie der Ozean – seine Liebe ist unermesslich!“ – Sehr schön, sagten die Leute. Und hast du auch ein Bild von Jesus? „Ja, kommt am Abend wieder!“ Am Abend war die Flut gekommen. „Seht“ sagte Johannes. „Das Meer hat uns besucht; so ist Gott zu uns gekommen in Jesus Christus!“ Hast du auch ein Bild vom Hl. Geist? – Wartet ein wenig! War seine Antwort. Nach einigen Stunden hatte sich die Flut zurückgezogen und trug Holz, Blätter u. Geäst hinaus aufs Meer. „Seht – das macht der Hl. Geist mit uns! Er nimmt uns und lässt uns erfahren, dass Gott uns trägt, so wie das Holz, die Blätter vom Wasser getragen werden!“ – Ja die Natur bringt manchen Vergleich für die Wirklichkeit Gottes.
Dreifaltigkeit >die vielfältigen Erscheinungsweisen Gottes entdecken!

 

 

Pfingstmontag 2018, 9 h Festgottesdienst Kirchweih-Jahrestag Kirchberg

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Da trifft es sich gut, den Kirchweihtag zu feiern.
• Den Pfingstgeist können wir nur schwer beschreiben, eher an seinen Wirkungen erkennnen; er ist vergleichbar mit Feuer, etwa mit einem Bündel Kerzen – von einer Kerze geht die Flamme auf alle anderen über, sodass schließlich 1 große Flamme entsteht. Das war wohl die Absicht Jesu, dass die Christen eine feurige Bewegung werden, eine Vorzeigegruppe, wie ein Lagerfeuer, das für alle anziehend wirkt. Wo der Geist Gottes ist, da ist es heimelig warm; da gibt’s weder eisiges Schweigen noch mitmenschliche Kälte.
• Taube: sie lässt sich nieder, krallt sich aber nicht . Die Taube ist der orientalische Liebesvogel: Er hilft uns, dass Beziehung entsteht, dass aus Fremden Freunde werden und Unversöhnte wieder zu einem Miteinander fähig werden. 
• Ein schöner Vergleich für den Geist ist der Magnet, der Eisenteilchen anzieht und zusammenhält. Und die einzelnen Teilchen werden wieder magnetisiert und ziehen andere an. Der Geist will Gemeinschaft. Er ist eine unsichtbare magnetische Kraft.
Vor 20 Jahren, zum 900-Jahr-Jubiläum von Kirchberg, hat der Passauer Domkapitular Dr. Mochti eine bemerkenswerte Ansprache hier an dieser Stelle gehalten, aus der ich ein paar Zitate bringen möchte. Der Pfarrpatron wurde ja gewählt, weil die Mutterkirche Passau dem Hl. Stephan geweiht ist. Darum bekamen viele Pfarren, die zur Diözese Passau gehörten, denselben Schutzheiligen. Prof. Otto Mochti sagte: Kirchberg – in dieser exponierten Lage hier heroben – ist die Krone von Kremsmünster! Hochragend über das Kremstal kündet sie seit 9oo Jahren von der felsenfesten Treue Gottes. Sie ist gleichsam die Stein gewordene Zusage Christi: Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt! Die Kirche ist durch die Renovierung wieder ein heller, strahlender, einladender Raum geworden, der uns die Freiheit des Atemholens und das Gefühl von Heimat spüren lässt.
Welche bedeutung hat diese Kirche, die vor 920 Jahren gegründet wurde? Kirchberg gehört zu den 4 ältesten Pfarren des Stiftes. Weitere 9 Pfarren wurden damals im 12. Jh. hier im Umkreis geschaffen.
In dieser Kirche kann man auch sehen, dass einerseits die Treue zum Urspung und die Bereitschaft zu Veränderungen vereint sind, nämlich – die alte gotische Kirche aus dem 15. Jh. bekam ein neues buntes Rokoko-Kleid im 18. Jh. - So muss die Kirche als weltweite Gemeinschaft immer zum Ursprung zurückschauen – was dem Gründer Jesus Christus wichtig war – und zugleich bereit sein zum Wandel für die Notwendigkeit der Zeit! - An diesem Ort haben in den mehr als 30 Generationen viele Tausende Menschen gebetet. Ein Kraftort, an dem wir uns mit so vielen Menschen und mit Gott verbunden fühlen können. Danke und Vergelts Gott sei allen gesagt, die hierher kommen und besonders allen, die dieses Juwel so attraktiv und gepflegt bewahren!

 

Muttertag 2018, 13. Mai, 8/9 Uhr Stiftskirche Kremsmünster


Die Verbindung zwischen den Sonntagstexten und dem Muttertag ergibt sich aus dem Johannesbrief: Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm! - Mütterliche Menschen bringen durch ihr Wesen etwas vom Wesen Gottes in die Welt.
Genau vor 1 Jahr, zum Muttertag, hatte ich ein interessantes Erlebnis: ich wollte mit dem Auto beim Sagteich reinfahren, da war gerade die Schwanfamilie dabei, die Straße zu überqueren – Vater und Mutter Schwan mit den 4 Kindern. Und einer der großen Schwäne (Vater oder Mutter) stellte sich vor mein Auto und hinderte mich an der Weiterfahrt, bis alle Kinder die Straße überquert hatten... Ich war beeindruckt. Menschen und auch Tiere dürfen erleben: da gibt es jemanden, der auf die Kleinen schaut und sich voll und ganz für sie einsetzt!

Goethe hat die Verse geschrieben: „Vom Vater hab ich die Natur, das Leben ernst zu führen. Vom Mütterchen die Frohnatur, die Lust am Fabulieren.“  Ob das immer so zugeordnet werden kann, ist fraglich, aber vielfach bringen gerade die Mütter das Spielerische, Gefühlvolle, das Genießen der kleinen schönen Dinge in den Alltag ein: die Lust am Fabulieren...
Alle Kinder haben ausnahmslos von der Mutter die Sprache bekommen; drum sagen wir auch „Muttersprache“. Man hört und lernt zuerst von der Mutter. Das Ungeborene nimmt den Klang der Stimme der Mutter auf. Dieser Klang prägt die Seele von Anfang an mit und kann Harmonie oder Missklang im Leben bewirken.
Mütter haben eine starke Antenne für ihre Kinder, eine Art 6. Sinn. Ein Beispiel möchte ich zitieren, ein Erlebnis, das der frühere Bischof von Innsbruck, Reinhold Stecher 1942 gehabt und aufgeschrieben hat: am Karfreitag jenes Jahres ging seine Mutter um 7 Uhr früh in den Innsbrucker Dom – sie hatte das Gefühl, ihrem Sohn stehe etwas ganz Schweres bevor, und sie betete vor dem Bild der Gottesmutter vom Guten Rat – zur selben Stunde war Sohn Reinhold im tiefen Russland im Einsatz und wurde von einer Kugel gestreift, durfte aber gerade wegen dieser Verwundung in die Heimat zurückkehren. Ja, Mütter haben oft ein einzigartiges Gespür…
Der Monat Mai ist auch unserer himmlischen Mutter Maria geweiht – als Glaubende dürfen wir gewiss sein, dass sie für jeden von uns Muttergefühle hat und Beistand geben will, wenn wir Nöte oder Schmerz fühlen.

Würde man alle liebevollen Mütter und mütterlichen Menschen der Welt zusammennehmen, dann hätte man gewissermaßen ein Abbild dieses Gottes, der die Höchstform der Liebe ist. Mütterliche Menschen sind der beste Hinweis darauf, dass eine Liebe existieren muss, die nicht rechnet, die nicht kleinlich kalkuliert, sondern sich verströmt.

 

Tag der Begegnung, 6. Mai 2018, 9 Uhr, Stiftskirche Kremsmünster

Eine Schriftstellerin hat gesagt: “Das Alter löst, oder es versteinert.”
Das Ideal ist, im Alter loszulassen. Ich brauch mich nicht mehr überall einmischen. Ich hab die Hände frei um zu segnen. Das Alter ist die Phase des Rückblicks – auf Gelungenes und Versäumtes. Es gibt sicher keinen Menschen, der sagen könnte, mir ist alles gut gelungen, ich bin mit jedem bestens ausgekommen... Es gibt immer auch Brüche und Versagen.
Der große Philosoph Pascal, der in seinem Leben vieles mitgemacht hat, schreibt: “Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.” Darum dürfen wir gelassen sein, gelöst und brauchen nicht zu versteinern.
Ich möchte nun einen alten Menschen zitieren, den ich sehr schätze, der evang. Theologe Jörg Zink, vor kurzem 94jährig verstorben, der u.a. 1944 einen Abschuss durch die Briten überlebt hat… Er schreibt über das Alter:
Auch wenn ich schon sehr viel vergesse, merkwürdig, ich finde das Alter schön. Ich brauche nichts mehr erreichen. Ich habe Zeit, den Bäumen zuzuschauen, wie sie ausschlagen, Früchte tragen, wie die Blätter fallen, wie Schnee sie bedeckt.
Freilich, man wird entbehrlich, man fällt vielleicht anderen zur Last. Auch Angst habe ich, dass Schmerzen mich einmal um meine Selbstbeherrschung bringen können; dass eine Krankheit mich nicht reifer macht, sondern lästig.
Darum: achten wir auf das, was wir sehen! Wer seinen Augen erlaubt, in alles Dunkle zu schauen, wird überall nur Schatten sehen. Wer nach Helligkeit ausschaut, der öffnet den heilenden Kräften den Weg in seine Seele.
Eine wichtige Voraussetzung, das Alt-Werden zu bestehen, ist die Dankbarkeit. Für Menschen danke ich, die ich liebte, die mir wichtig waren, Lehrer und Weggefährten. Für die viele Erfahrung, die ich gewonnen habe.
Ich will Irrtümer vermeiden. Ein Irrtum ist: Kinder immer noch belehren zu wollen. Begleiten wir sie, wenn sie es möchten; beten wir für sie, aber lassen wir sie ihren Weg gehen. Wenn wir Dinge sehen, die uns stören, dann drücken wir ein Auge zu; wir haben ja zwei. Und manchmal schließen wir beide!
Wesentlich für´s Altwerden ist: Niemand anklagen für vergangene Dinge – das bewahrt vor Hass, und von niemand Dankbarkeit fordern...
Lassen wir uns auch vergeben, wenn wir Fehler gemacht haben. Es gibt nur 1 Sünde, die nicht verziehen werden kann, und die ist, sich nicht vergeben zu lassen!, also sich nichts schenken zu lassen!
Und schließlich: sich auf den Abschied vorbereiten. Alles segnen, was hinter uns liegt. Und danach – was erwarte ich? Nicht, was man ewige Ruhe nennt. Sondern dass ich von Erkenntnis zu Erkenntnis gelange. Ich bin froh bald zu wissen, wie es auf der anderen Seite aussieht!

Florianimesse 2018, 29. April, 9 Uhr Rohr


Freiwillige Helfer leben das, was Christus in seiner Abschiedsrede gesagt hat: es gibt keine größere Liebe, als wenn jemand alles gibt für seinen Nächsten. Das Wort „LIEBE“, der höchste Wert, den wir kennen, ist gewiss abgegriffen wie ein alter Geldschein. Drum möchte ich den Zehner in 5 Zwei-Euro-Münzen wechseln – in die 5 Buchstaben des Wortes LIEBE.
Die erste Münze mit dem ersten Buchstaben: L wie Last tragen. „Einer trage des andern Last – so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen!“ schreibt Paulus. Christus hat die Lasten, das Leid der Menschen mitgetragen und vielfach abgenommen. Manche Last bei schlimmen Ereignissen wie Brand, Unfall, Überschwemmung, Sturm etc. ist leichter zu tragen, weil es so viele Einsatzkräfte in unserer Gemeinde gibt, die kompetent und schnell zur Stelle sind.
2. Münze: I wie Idealismus. Der Duden schreibt: Idealismus heißt - mit Selbstaufopferung verbundene Verwirklichung von Idealen. Ich habe mit Firmlingen ein eigenes Glaubensbekenntnis formuliert (was 14-Jährige glauben); alle waren der Überzeugung: der Schöpfer hat uns auf die Erde geschickt, damit wir hier eine besondere Aufgabe erfüllen! - Ja wir sollen die Welt ein bisschen besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben – das wäre ein Ideal. Oder wie Albert Schweitzer gesagt hat: das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir einmal gehen.
3. Buchstabe von Liebe: E wie Einsatzbereitschaft. Viele 1000e Stunden ehrenamtlichen Einsatz leistet die Feuerwehr Jahr für Jahr. In der Lesung haben wir gehört: wir wollen nicht bloß mit Worten lieben, sondern durch Taten!
4. B wie Begeisterung: 2004 wurde zur 1700-Jahr-Feier des Todes von Florian das Thema „entflammt“ gewählt. Feuer und Flamme sein für eine gute Sache ist eine Frucht des Hl. Geistes. Nicht nur missmutig einspringen, weil sonst niemand da ist, sondern mit einer Begeisterung alles liegen und stehen lassen, das zeichnet Euch, die Florianijünger aus.
5. das Schluss-E von Liebe: Einssein. Gemeinschaftsgeist verdoppelt die Effizienz. Aus dem Tierreich wissen wir: die Gänse, die in Formation fliegen, erreichen 71 % mehr Flugkapazität. In der Feuerwehr sind die Dienste sehr klar aufgeteilt, die Handgriffe gehen organisiert ineinander, der Gemeinschaftssinn wird sehr gepflegt und gefördert. – Wir freuen uns mit Euch und danken für alles, was Ihr an Nächstenliebe vorlebt.

4. Sonntag Osterzeit B, 22. April 2018, 8 Uhr, Stiftskirche Kremsmünster

Ein Schweizer Hirte erzählte, dass er alle seine 40 Schafe, die auf 2000 m Höhe weiden, an ihren Gesichtern erkennt. Und wenn sich eines verlaufen hat, sucht er es und erkennt, sobald er eines findet, ob es zu seiner Herde gehört (wir tun uns oft schon schwer, Zwillinge auseinanderzuhalten…). Dieses Beispiel ist ein Hinweis, dass Kennen immer auch mit Lieben zu tun hat. Wer seine Herde wahrhaft liebt, wird an jedem dieser Tiere etwas Einzigartiges finden. – Die Bibel schildert Gott als den großen Hirten, der uns alle durch und durch kennt. Der 23. Psalm, entstanden mindestens 500 v. Chr., und zwar in einer Situation größter Not, ist Ausdruck tiefsten Vertrauens und enger Beziehung zwischen dem Beter und dem göttlichen Hirten.

Menschliche Hirten: In der Erzählung von Eric-Emmanuel Schmitt mit dem Titel „Das Kind von Noah“ wird geschildert, wie ein siebenjähriger jüdischer Bub namens Joseph Bernstein in Brüssel, das von Deutschen besetzt war, in der sog. Gelben Villa Unterschlupf findet. Dieses Haus war ein christliches Internat für Waisenkinder, wo auch andere Kinder, vor allem Judenknaben aufgenommen wurden und falsche Pässe bekamen, um vor den Nazis geschützt zu sein. Pater Bims, der Leiter hilft den Kindern zusätzlich, dass sie ihre Kultur, ihre Religion bewahren und Halt finden in ihrem Glauben.

In unserem Land existiert dieser Beruf nicht mehr. Daher ist es angebracht, andere Vergleiche zu finden. Ein passendes Bild für den göttlichen Hirten wäre für mich der Busfahrer, der die Mitreisenden gut durch die Straßen der Erde lenkt, auf manche Besonderheiten auf der Strecke hinweist und sicher ans Ziel bringt. Oder der Lokführer, den man normalerweise nicht sieht, von dem man aber weiß, dass er da ist; ebenso der Pilot, den man manchmal kurz hört aber auch selten bis nie zu Gesicht bekommt…
Und für menschliche Hirten könnte als moderner Vergleich dienen: alle die im kirchlichen Dienst stehen, sollen z.B. sein wie ein guter Wüstenexperte, der die Gruppe zu den verschiedenen Oasen führt: es heißt ja „die größte Sünde ist zu wissen, wo die Quelle ist, sie aber anderen nicht zeigen“, und der auch den Sternenhimmel erklärt und durch die Faszination der Schöpfung auf den Schöpfer verweist…  Oder auch: menschliche Hirten können sein wie kompetente Personen im Krankendienst, deren einzige Absicht ist, dass die ihnen Anvertrauten bald gesund und ganz heil werden.
So beten wir am heutigen Sonntag des Guten Hirten, dass viele sich in den Dienst des Herrn stellen und Sein Vorbild nachahmen!

 

3. Sonntag Osterzeit B 2018, 9 Uhr, Sattledt


Ein paar österliche Gedanken, Zitate bzw. Erlebnisse:
Ich hatte in dieser Woche wieder Gelegenheit, mit Gefangenen ein paar Tage zu verbringen. Es sind natürlich meistens die, die wirklich zu einem Neubeginn entschlossen sind, die an einem solchen Glaubenskurs teilnehmen. Für mich ist es jedes Mal eine Ostererfahrung, wie der Glaube Menschen verändert, wie Christus auch hinter dicken Mauern mit Gitterstäben wirkt und wie Vergebung, Erlösung spürbar wird…   

Eine Journalistin schrieb zu Ostern in einer Zeitung: „Gerade die Auferstehungsgeschichte ist mir heute ... die liebste von allen. Ich finde sie so großartig, so unverschämt zuversichtlich, dass ich meinem einzigen Kind den Namen Maria Magdalena gegeben habe – den Namen jener Frau also, die als erste Ostern erlebt hat!“

Ein evangelischer Pfarrerkollege schreibt: Jesus hat den Tod getötet. Übrig geblieben ist nur noch ein Übergang in eine bessere Welt, in der es kein Leid und keine Schmerzen mehr gibt, sondern nur die unendliche Liebe Jesu, die alles und jeden durchflutet. Das ist Ostern und das war auch Paulus so wichtig! Deshalb zählt er die Zeugen auf, damit wir bis heute wissen: Er hat mich bedingungslos erlöst!
Heute wird wieder von einem Essen berichtet. Das letzte, das die Jesusfreunde mit Ihm erlebt haben, war ein Essen. Am Ostersonntag Nachmittag ein Brotbrechen in Emmaus. Und immer wieder gemeinsames Mahl. Stellen wir uns daher Gott einmal vor wie einen Backofen voller Liebe. Welche Düfte des Lebens entsteigen einem solchen Ofen! Mancher Mensch erscheint zäh oder ungenießbar wie ein Teig…Er, Christus, will letztendlich alle Menschen einmal ausbacken…
In der russisch orthodoxen Kirche gibt es eine ungewöhnliche Tradition: die Familien besuchen am Ostertag den Friedhof und halten auf den Gräbern ihrer Angehörigen ein Festessen. Dieser Brauch ist ein Zeugnis für die Zuversicht, dass ihre Verstorbenen in das Neue Leben eingetreten sind, das Ostern uns allen schenken wird!!

 

2. Sonntag nach Ostern 2018, 8. April 2018, 8/9 h, Stiftskirche Kremsmünster


Es ist auffallend, dass im Johannesevangelium die Geistsendung bereits am Ostersonntag stattfindet. Bei Lukas erst 50 Tage nach der Auferweckung. –  Beim Ostertermin sind sich alle Evangelisten einig: am 3. Tag auferstanden! Aber die Ausgießung des Geistes, die Be-Geisterung kann nicht so exakt festgelegt werden. Würden wir gefragt: Wann hast du den Hl. Geist empfangen? Würde die Antwort wahrscheinlich unterschiedlich ausfallen: bei der Taufe – bei der Firmung – weiß nicht – täglich, immer wieder…
Thomas will die Wunden berühren. Es reicht ihm nicht, dass andere erzählen, Jesus habe sein Grab verlassen. Er muss die Wunden sehen und sie berühren. Denn nur ein Gott, der Wunden trägt, kennt den Schmerz des Menschen, dem das Leben Wunden geschlagen hat. Ich habe Sektenprediger gehört, die den Menschen irdischen Reichtum versprechen, wenn sie sich der betreffenden Gruppe anschließen, gegenüber armen und leidenden Menschen aber keine Verpflichtung sehen: christliche Gruppen, die sich aber vom Leid der Menschen fernhalten, gehen am Sinn des Evangeliums vorbei.
Thomas spricht schließlich das Bekenntnis gegenüber Christus aus: Mein Herr und mein Gott! – Ich glaube, wir müssen uns immer wieder klar werden, welche Antwort wir geben, wenn wir nach unserem Eingott-Glauben gefragt werden: wenn es nur den einen Vater-Gott gibt – wie kann dann Jesus Gott sein? Ich denke da immer an die Aussage des Apostels Paulus: Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in Jesus wohnen!! –das heißt, dieser Jesus war total voll von Gott, Er hat uns mit 100%iger Klarheit das Gesicht Gottes gezeigt, Er ist Gottes Spiegelbild… An anderer Stelle schreibt Paulus, dass Jesus in seiner irdischen Zeit ganz Mensch war wie wir, dass er aber durch die Auferstehung eingesetzt wurde als Sohn Gottes in Macht! D.h. er ist gleichsam die Rechte Hand Gottes. – Freilich – mit unserem begrenzten menschlichen Verstand und noch weniger mit Worten werden wir Göttliches nie erklären oder beschreiben können…
Ein Letztes: es ist für mich unvorstellbar, an Gott zu glauben und nicht an die Auferstehung. Tatsächlich gibt’s aber nicht wenige, die das tun. Denn schon bei uns Menschen ist es so: jeder Vater, jede Mutter hat den großen Wunsch, dass ihre Kinder sich möglichst zur Höchstform entwickeln und dass sie für immer verbunden bleiben. Ein Vergleich aus der Natur: ein Apfelkern entwickelt sich zu einem blühenden Baum mit unzähligen Früchten dran. So ähnlich will vermutlich der Schöpfer uns einmal voll entwickeln, dass wir ewig in Höchstform sind. Oder: es gibt wohl keinen Steinmetz, der eine Skulptur beginnt und irgendwann aufhört, am Werk weiterzufeilen, der dann den Steinklotz wegwirft; nein, jeder Steinmetz wird am Werk so lang basteln und feilen, bis es perfekt ist. So wird der Schöpfer uns, seine Kunstwerke, vollenden – alle Ecken und Kanten abrunden.


5. Fastensonntag, 18. März 2018, VA 19 h Mi.kap. /  Rohr 9 Uhr


Im Jahr 1985 nutzten die Indios aus den Anden von Peru die Gelegenheit der Visite des Papstes zu einer erstaunlichen Geste: sie gaben ihm die Bibel zurück mit den Worten: im Lauf der 5 Jahrhunderte hat sie uns weder Frieden noch Gerechtigkeit gebracht. Geben Sie bitte die Bibel unseren Unterdrückern retour, die brauchen die biblischen Moralvorschriften mehr als wir!  - Jesus sagt im Vergleich vom Weizenkorn: glaubwürdig und fruchtbar wird die Verkündigung durch Hingabe!
Das Weizenkorn muss in die Erde fallen. – Ich erinnere mich, als ich ein kleiner Bub von ein paar Jahren war, dass eines Tages der Nachbar mit dem Traktor gekommen ist, auf der Hydraulik ein Gerät zum Kartoffel einlegen. Dann hab ich zugeschaut, wie meine Eltern da die guten, schmackhaften Erdäpfel in die Erde legten, anstatt sie zu kochen und bei der Jause zu essen. Es war mir so leid um diese vorzüglichen Lebensmittel, die da – ohne dass ich`s verstehen konnte – in der Erde verschwanden. Im Herbst jedoch staunte ich sehr, als wir so viele frische Kartoffel vom Feld heimführen konnten...  Die Betonung im Gleichnis vom Weizenkorn liegt im Wort: an etwas hängen bzw. dasselbe verschenken. Im Loslassen liegt eine göttliche Kraft. Und diese Haltung einzuüben, dazu könnte besonders die Fastenzeit dienen.
Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen! Jemanden an sich ziehen bedeutet, ihn oder sie umarmen. Welch großartige Aussage haben wir da heute gehört: durch seine Erlösungstat am Kreuz hat Christus alle Menschen umarmt! Darum ist die Kreuzesdarstellung für uns so wichtig – einerseits weil sich Gott festnageln ließ auf diese Haltung der ausgetreckten Arme: Gott kann gar nicht anders als jedem die offenen Arme entgegenzustrecken; und jeder Mensch wird vom Gekreuzigten umarmt und von seinem erlösenden Blut berührt und gereinigt.
Damit sind wir bei der typisch christlichen Haltung: einerseits Dinge loszulassen und gleichsam in die Erde zu legen – das kann z.B. ein Ärger, eine Kränkung sein, die man möglichst sofort begraben soll. Die andere Haltung – die der ausgestreckten Arme, die offenen Hände, die keine Faust machen und alle zu umarmen bereit sind: das ist schon die Einübung auf die himmlische Gemeinschaft, zu der wir unterwegs sind…

 

4. Fastensonntag B 2015, 19 h Vorabendmesse, 9 h Rohr


Der heutige Sonntag wird „Laetare“ genannt – Freue dich! – obwohl im Evangelium vom Gericht die Rede ist. Die herkömmliche Vorstellung ...und ein Buch wird aufgeschlagen, worin alles eingetragen, jede Schuld aus Erdentagen!“ die kommt wahrscheinlich aus dem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden, zum Teil wohl auch aus biblischen Aussagen, die man einseitig verstanden hat.
Für Menschen erscheint es gerecht, wenn der Bösewicht das zugefügte Böse auch selber erleiden muss. Wir Menschen setzen ja meistens die böse Tat mit dem Menschen gleich, der sie getan hat und sagen: der ist böse.
Gottes Sicht ist vermutlich: nicht dieser Mensch ist ungerecht, sondern er tut Unrecht. Die Verurteilung bezieht sich demnach auf die Tat, nicht auf den Menschen. – Hätten wir doch auch eine solche Sichtweise...!
Im Dialog zw. Jesus und Nikodemus lesen wir: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er alles gab, nicht um zu richten, sondern um zu retten!“ Das ist so ein Haupt-Satz der Hl. Schrift. Gott kann also gar nicht Böses mit Bösem vergelten. Gottes Wesen ist die reine Liebe, Er wird alles dransetzen, jeden heil zu machen.
In der Lesung hörten wir 3x von der Gnade Gottes, und die Hl. Schrift verwendet diesen Begriff 300 Mal! Es ist also die besondere Eigenschaft Gottes, Gnade vor Recht ergehen zu lassen.
Je schlimmer ein Mensch sich in Bösem vertrickt, umso mehr Liebe und Vergebung braucht er – und ich meine, jeder wird’s auch bekommen; die Frage ist nur, ob der Mensch fähig ist, sich so beschenken zu lassen.
Das Gericht Gottes wird also so zu deuten sein, dass Gott Recht schafft, indem er es für alle recht machen wird. Und das vermag kein menschlicher Richter, das dürfen wir aber dem Allmächtigen zutrauen!
Wer hier schon gerichtet, d.h. auf Gott ausgerichtet ist, der braucht nicht mehr gerichtet zu werden. –
Jemand hat mich einmal kontaktiert und gemeint, wir Priester würden nicht mehr von der Hölle predigen. Meine Antwort war: erstens wissen Sie das nicht und zweitens ist es tatsächlich so, dass in unserem Glaubensbekenntnis der Begriff „Hölle“ nicht vorkommt, sondern Vergebung, Auferstehung und Ewiges Leben! Christus spricht zwar von der Gefahr des totalen Scheiterns, es ist aber sehr bedenklich, wenn jemand seine Gedanken stets auf diese negativen Möglichkeiten fixiert! Aus dem Mund Jesu haben wir heute gehört: die Welt soll durch ihn gerettet werden. Mit dem Begriff „Welt“ meint der Evangelist immer die abgefallene Menschheit, das System der Sünde: alles Sündige soll bzw. wird gewandelt und gerettet werden. GOTT WILL, DASS ALLE MENSCHEN GERETTET WERDEN UND ZUR ERKENNTNIS DER WAHRHEIT GELANGEN! Ich verlasse mich darauf, dass Er die Lösung für jeden Menschen haben wird.

3. Sonntag in der Fastenzeit B – 4. März 2018


Der Dekalog, die 10 Worte, die Mose empfangen und dem Volk gegeben hat, wurden oft fragwürdig übersetzt – nämlich im Sinn von Verboten.
Die Sprache der Bibel hat dieselbe Eigenart wie das Englische: mit „you shall not“ kann die Soll- und die Zukunftsform ausgedrückt wird, "du sollst nicht" oder "du wirst nicht".
Entscheidend ist der einleitende Satz des Dekalogs: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei in die Freiheit geführt hat. Wenn du frei bleiben willst, und auch die Menschen um dich herum, dann wirst du dich an diese 10 Regeln halten...
Die Theologie der Befreiung hat einen interessanten Aufbau der 10 Gebote entdeckt: Jeweils 2 Gebote gehören zusammen und bilden eine Art Klammer oder Schutzmauer. Eigentlich sind es 9 Gebote, denn das 9.+10. sind im Grunde eins: hab Ehrfurcht vor allem, was deinem Nächsten zusteht, vor seinem Partner sowie vor seinem Hab und Gut!
I und IX+X gehören zusammen. Gott muss an oberster Stelle stehen. Der 1. Platz gebührt allein Gott. / Darum halte deine Begierden in Zaum! Weder ein Mensch noch materielle Dinge, die man oft begehrt, dürfen zu Götzen werden. Nicht Arbeit, Sport, Vergnügen etc. dürfen an die Stelle Gottes treten. - Das 1. und das letzte Gebot bilden zusammen die äußere Schutzmauer.
II und VIII: den Namen Gottes nicht missbrauchen, am wenigsten, um im Namen Gottes ein Unrecht zu rechtfertigen! Wenn ich z.B. einem Kind sage: „Wenn´s d nicht brav bist, ist Gott böse“ mache ich Gottes Namen schlecht, weil jemand Angst vor ihm bekommt. Darum: den Namen Gottes nicht missbrauchen / und (8. Gebot:) überhaupt seine Zunge in Zaum halten, um nicht die Unwahrheit zu sagen! - die beiden miteinander ergeben eine 2. innere Mauer.
III und VII: den Tag des Herrn heiligen; am Sabbat braucht niemand arbeiten, kein Angestellter, nicht einmal der Ochs oder der Esel. Niemandem den freien Tag stehlen! / Und überhaupt (7. Gebot:) muss darauf geachtet werden, das Eigentum des anderen nicht anzutasten. Beim 7. Gebot ging es damals vorrangig um den gerechten Lohn, der dem Arbeiter nicht vorenthalten, d.h. nicht gestohlen werden darf. - 3. Schutzmauer.
IV und VI: das rechte Verhältnis zwischen jung und alt in der Familie – Respekt zwischen Kindern und Eltern, sowie die Achtung zwischen Mann und Frau werden in diesen beiden Geboten angesprochen. In beiden geht es um den Schutz der Familie. - Die innerste Schutzmauer

V: Das Gebot in der Mitte. Es ist das zentrale, wichtigste, schützenswerteste Gut, das gleichsam durch 4 Mauern geschützt wird: Leben wird geschützt durch intakte Familien, durch die Achtung des Eigentums, durch Aufrichtigkeit und Gottesfurcht, und schließlich indem Gott die erste Stelle einnimmt.
Wir wissen, wie wenig Leben geachtet wird dort, wo Krieg und Gewalt herrschen...
Um die Achtung und Würde des Lebens ging es Jesus gewiss auch bei der Tempelreinigung, die Johannes schildert. Durch die hohen Tempelsteuern wurden die Armen ausgebeutet, Frauen waren aus dem Innenhof des Tempels ausgeschlossen, Tiere (Stiere, Lämmer und Tauben) wurden sinnlos als Opfertiere geschlachtet, um Gott mit dem Blut zu erfreuen. Darum der scharfe Ton: Reißt diesen Machtapparat, dieses System der Ausbeutung, des unnötigen Blutvergießens und der Diskriminierung nieder – und ich werde ein neues, geschwisterliches Beziehungsnetz aufbauen!
Der Tempel ist tatsächlich zerstört worden, etwa 40 Jahre, nachdem Jesus diese Worte gesprochen hatte. Er wurde nie wieder aufgebaut. Geblieben ist nur 1 Mauer, die Klagemauer. – Aufgebaut wurde ein anderer Tempel, eine Gemeinschaft, die seine Botschaft weiterträgt. UND DIESER TEMPEL SEID IHR! sagt Paulus.

 

2. Fastensonntag B – 25. Februar 2018, 9 Uhr, Sattledt

Drei Apostel erleben etwas Besonderes, so wie wenn der Vorhang für kurze Zeit aufgeht und ein Blick hinter die irdische Wirklichkeit gewährt wird. Eine Heilige aus unserer Zeit, Frau Edith Stein, die 1942 im KZ umgekommen ist, schrieb einmal: „Du sollst sein wie ein Fenster, durch das Gottes Liebe in die Welt hineinleuchten will. Die Scheibe darf nicht stumpf und schmutzig sein, sonst verhinderst du das Leuchten Gottes in der Welt!“
Die heutige Verklärungsgeschichte könnte man demnach so interpretieren: Jesus war das Fenster, durch das Gottes Licht und Schönheit unendlich kraftvoll und klar hereingeleuchtet hat in die Welt.
Die Fastenzeit gibt uns gleichsam drei Putzmittel in die Hand, damit unser Fenster klar werde:
das 1.: Fasten – der kraftvollste Aktiv-Fettlöser für Leib und Seele. Empfohlen wird vor allem eine Schlankheitskur für die Sprache, im Sinn des Apostels Paulus: was nützt es auf Fleisch zu verzichten, „wenn wir einander beißen und fressen…?“ Daher also die Empfehlung für eine Fastenwoche oder gar für den Rest der Fastenzeit: Verzicht auf unnötige Worte, vor allem auf lieblose Kritik.
2. Mittel: Almosen geben – das beste Reinigungsmittel gegen das Immer-mehr-haben-Wollen. Der barmherzige Gott kann durch uns in die Welt hineinstrahlen. Die Kath. Frauenbewegung lädt uns ein, heuer übrigens zum 60. Mal, anlässlich des Familienfasttages (vergangenen Freitag) an die 100 Projekte für Frauen in aller Welt mit einer Spende zu unterstützen, damit Frauen zu ihren Rechten auf Bildung, auf Gesundheit, auf ein Leben ohne Gewalt und Ausbeutung kommen können.
Das 3. Putzmittel: Beten – der wirksamste Schutz gegen Hektik und Oberflächlichkeit. Der Theologe Karl Barth sagte: „Hände falten im Gebet ist der Anfang des Aufstands gegen die Unordnung dieser Welt!“ Die österliche Bußzeit ist eine Übungsphase, um wieder mehr Ordnung in unseren Tagesablauf zu bringen, den Tag richtig zu beginnen, gelegentlich zur Besinnung zu unterbrechen und ihn meditativ abzuschließen. Und in einer Zeit, in der so viel Gewalt geschieht und kein Friede in Sicht ist, in der Millionen Afrikaner aus ihrer Heimat davonlaufen möchten, in der so viele Menschen gestresst, überfordert und ausgelaugt sind, braucht es besonders diese geistige Kraft, die wie ein ins Wasser geworfener Stein Wellen des Friedens und der Gerechtigkeit erzeugt.
Verklärung – Klarheit – und der Zuspruch: du bist ein Gottessohn, eine Gottestochter! Mit dieser Zuversicht und Sendung dürfen wir in die neue Woche hineingehen.