6. Sonntag C 2019 – 17. Februar, 8 Uhr, Kirchberg

Kürzlich hat jemand von einer 1000-jährigen Eiche erzählt mit einer ausladenden, viel Schatten spendenden Krone, mit einem gewaltigen Stamm, bei dem es 7 Personen braucht um ihn zu umfassen. Die Lesung (Jesaja 17, 5-8) hat den gläubigen Menschen mit einem Baum verglichen. Was ist wohl das wichtigste bei einem Baum? Das Entscheidende sind gewiss die Wurzeln. Tiefwurzler halten auch Stürmen besser stand, wie uns durch die Klimaveränderung fast jedes Jahr bestätigt wird. – Ähnlich ist es beim Menschen: viele legen besonders Wert die äußere Erscheinung, gleichsam auf einen wohlgeformten Stamm bzw. auf eine attraktive Krone oder auf den Reichtum der  Blätter...
Der Prophet Jesaja gibt aber andere Werte vor: Gesegnet, wer auf den Herrn sich verlässt: er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt!
Ein Hauptschüler, der stotterte und unter seinen Klassenkameraden einiges zu leiden hatte, kam mit einem Poesiealbum zum Religionslehrer, damit dieser ihm hineinschreibe. Auf der 1. Seite stand bereits ein Text, der für den Jungen nicht sehr ermutigend war: „Der Mensch wird daran erkannt, was er will und was er kann.“ Der Religionslehrer schrieb ihm den heutigen Lesungsvers ins Stammbuch: Gesegnet, wer sich auf den Herrn verlässt. Er ist wie ein Baum mit starken Wurzeln. Nach ein paar Wochen brachte der Junge eine Wurzel in die Schule mit und legte sie dem Religionslehrer wortlos auf den Tisch – es war eine Weinstockwurzel. Ein Rebstock ist nicht besonders imponierend, sondern krumm und knorrig. Aber der hat Wurzeln, die bis zu 15 Meter Tiefe erreichen können, sodass ihm auch längere Trockenheiten nichts anhaben können.
Wir treffen uns immer wieder im Gotteshaus, um unsere Wurzeln zu stärken, uns zu vertiefen und um dann gute Früchte bringen zu können. Das Typische eines Baumes ist zu beschenken – er spendiert seine Früchte, lässt die Vögel gratis wohnen, er gibt Unterstand bei Regen oder Schatten in der Hitze, er reinigt die Luft und schenkt uns schließlich sein Holz. – Gesegnet, wer auf den Herrn sich verlässt, er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Frucht bringt zur rechten Zeit. – So die Seligpreisung im Alten Testament.
Im Evangelium haben wir auch die Seligpreisungen gehört, die für die ersten Hörer unglaublich gewirkt haben müssen: nie hat vor Christus jemand die Armen beglückwünscht....In der 3. Welt stehen die Paläste der Reichen und die Hütten der Armen oft nahe beieinander. Die einen bewacht und gesichert durch Zäune, Mauern, scharfe Hunde, bei den anderen, den Armen, sind die Türen meist offen, sie helfen sich gegenseitig, man ist jederzeit willkommen, sie leben einen Gemeinschaftsgeist. Wenn wir alle materiell abgesichert sind, gilt es, den Geist der Armen zu leben, das Bewusstsein, einander zu brauchen und vor allem Gott zu benötigen, ohne den wir sind wie eine Staude in der Wüste...

5. Sonntag im Jahreskreis C –  10. Februar 2019

Ein Fisch, der ins Netz gerät, ist verloren und wird normalerweise verspeist. Zu diesem Zweck knüpfen die Fischer ihre Netze. Anders das Netz im Zirkuszelt. Ein Artist, der bei seiner Nummer abstürzt und ins Netz fällt, ist gerettet.

Aus der frühen Zeit des Christentums gibt es Bilder, auf denen die Taufe als Fischfang dargestellt wird, in dem Sinn: wir bieten dir ein Netz an, wo du immer aufgefangen bist, wo du auch durchschlupfen oder aussteigen kannst, wenn es dir zu eng sein sollte, wo du aber jederzeit ein Heimatrecht, ein Recht auf Rückkehr hast! –
Es war einmal im Fasching in Deutschland; in einer Gemeinde gab es einen großen Faschingsumzug mit vielen Gruppen, die durch das Dorf zogen. Eine Gruppe ging mit einem großen ausgespannten Netz durch die Straßen. Ein Junge, der später Pfarrer geworden ist und diese Geschichte berichtet hat, beobachtete, wie immer wieder jemand vom Straßenrand aus der Reihe herausgezogen und in dieses riesige Netz geworfen wurde. Der Bub bekam Angst. Diese Narren mit dem Netz hatten jedoch mehr Interesse an den jungen Damen, die sie aus dem Publikum herausfischten. Er schreibt weiter: „Ich hatte gewaltige Angst, es könnte mich erwischen. Aber all die Mädchen, die in diesem Netz gefangen wurden, sahen überhaupt nicht traurig aus, sie waren offenbar stolz, auserwählt worden zu sein und auf dem Netz getragen zu werden!“ Wir als Pfarre oder Kirche haben die schöne Aufgabe, ein großes Netz zu bilden, in dem man sich wohl fühlen kann und das anziehend wirkt.
Mich hat besonders ein Nebensatz im Evangelium nachdenklich gemacht: Werft Eure Netze aus, wo es tief ist. Vermutlich hat der Evangelist sagen wollen: bleibt nicht oberflächlich! Ein Gebet kann oberflächlich sein, ein Ritual (z.B. ein Kreuzzeichen) nur gewohnheitsmäßig abgespult werden, ein Buch kann ich querlesen, obwohl es vielleicht sehr tiefsinnig wäre, ein Sakrament kann ohne jede Wirkung bleiben. Umgekehrt kann in allem die Tiefe ausgeschöpft werden: z.B. im Bekenntnis „ich glaube an die Vergebung aller Sünden“ oder wenn ich ein Gebet beginne mit der Gewissheit: ich bekomme sicher das Erbetene oder etwas Größeres...  – In der Lesung  haben wir das sogenannte Ur-Kerygma gehört, das 1. Credo: Christus ist für unsere Sünden gestorben, wurde begraben, ist auferweckt worden und erschien dem Petrus und den anderen Jüngern…   Hier ist das Wichtigste unseres Glaubens in 1 Satz zusammengefasst; man könnte auch noch einmal das Bild verwenden: Christus hat durch sein Wirken gleichsam ein weltweites Netz aufgespannt, um jeden Menschen zu sichern und aufzufangen.


Erstkommunion-Vorstellmesse Kirchberg

Unser Thema: Jesus, die Sonne. Niemand von uns, dass unser Blick finster ist. Ein finsteres Gesicht, ein kalter Blick ist zum Fürchten.  Bei der Taufe wurden wir gleichsam angesteckt an den Stromkreis der Liebe Gottes. Wir wurden sozusagen in eine große Lichterkette eingefügt und dürfen sein Licht widerspiegeln in unseren Gesichtern und durch unser Verhalten.

Wir werden heute unsere Taufe erneuern. Das können wir auch täglich tun, wenn wir z.B. Weihwasser nehmen. Tauferneuerung bedeutet, dass ich immer wieder die Würde als Sohn, als Tochter Gottes spüren darf. „Ich bin getauft!“ diese 3 Worte hat M. Luther in seinen Schreibtisch eingeritzt.

Schließlich: wir bereiten uns vor auf die hl. Kommunion. In der Kirche von Syrien wir einem beim Komm.empfang nicht gesagt „der Leib Christi“ sondern: Glühende Kohle! - Wieder eine Verbindung zu unserem Thema SONNE. Wir könnten mit unserem Körper der Sonne nicht nahe kommen. Wir könnten mit unseren Augen Gott nicht schauen – wir würden geblendet sein. Drum nehmen wir Jesus in einer verhüllten Gestalt auf, im Brot. Aber die Wirkung soll sein, dass wir durchglüht werden, von seinem Licht und seiner Wärme erfüllt werden.

 

 

4. Sonntag C – 3. 2. 2019, 8/9.15 Uhr (Das Hohelied der Liebe)

 

Das Hohelied der Liebe ist eine beliebte Hochzeitslesung. Eigentlich wollte aber Paulus mit diesem Text eine Antwort geben auf die Frage der Korinther, welche Gnadengabe höher einzuschätzen ist – das Charisma der Leitung oder der Predigt, das Handwerk oder der Putzdienst, ein starker Glaube oder die Fähigkeit, in unbekannten Sprachen zu beten… Seine Antwort: alle sind grundsätzlich gleich wertvoll, weil sie alle vom Geist Gottes kommen. Auf jeden Fall wäre alles bedeutungslos, wenn es ohne Liebe geschieht!

Nachdem Gott die Liebe ist, kann man den Text auch in dieser Weise lesen, wie Gott selber ist: Die Liebe, also Gott, ist langmütig, dh. Gott ist die Geduld. Gott handelt nicht ungehörig, stellt niemanden bloß; lässt sich nie zum Zorn reizen (das bedeutet auch: Gott kann man nicht beleidigen),  Gott trägt Böses nicht nach. – Welch wohltuende Aussagen!

Unser Lebensziel ist es, Gott kennen zu lernen. Ein Vergleich dafür: stellen wir uns ein Gesicht vor, das aus zigtausenden Mosaiksteinchen besteht. Jeder Abschnitt der Bibel ist nun vergleichbar mit 1em Steinchen. Wenn wir die Hl. Schrift so halbwegs kennen, haben wir den wichtigsten Ausschnitt von Gottes Antlitz kennen gelernt. Und der heute verlesene Abschnitt, das Hohelied der Liebe, ist gleichsam der Augapfel Gottes: der Blick der unendlichen Güte. –

Wenden wir uns nun dem Evangelium zu. Mir ist diesbezüglich eine Frage untergekommen: was ist der Unterschied zwischen einem Autoreifen und einem Christen? Ein Winterreifen muss wenigstens 4 mm Profil haben... Jesus zeigt Profil vor seinen Landsleuten. Er profiliert sich in seiner Heimatstadt und provoziert die Zuhörer. Provozieren – lat. provocare – heißt hervorrufen. Leute sollen aus Gewohnheiten, aus unstimmigen Haltungen herausgerufen werden.

Gerade seine Verwandtschaft hat Jesus am wenigsten geschont.

Gläubige Menschen provozieren auch heute

  • wenn wir uns durch unser Herkommen ins Gotteshaus zum Tag des Herrn bekennen
  • alle, die hier sind, kommen immer wieder dran beim Spenden; aber gerade dadurch provozieren wir all die, für die Geiz geil ist oder die nichts zu verschenken haben.
  • Jedes selbstlose Tun aus Liebe zum Nächsten ist Provokation all derer, die sich selbst der Nächste sind
     
    Ignatius v. Antiochia hat gesagt: Nehmt Gottes Melodie in euch auf! Singt sozusagen nicht ein billiges Trallala nach, sondern jeder hat eine persönliche Lebensmelodie zugespielt bekommen. Jeder hat sein Charisma. Jeder darf die Welt mit seiner Melodie, mit seinen Gaben bereichern und individuelle Spuren hinterlassen. Christgläubige sind keine glatten Typen, sondern zeigen Profil.

 

3. Sonntag C 2019 – 27. 1., 9 Uhr, Rohr


I. Der Evangelist Lukas wird heuer das ganze Jahr an den Sonntagen gelesen. Er war ein hervorragender Journalist, der etwa 40 Jahren nach den Ereignissen recherchierte, was genau in der Zeit Jesu passierte. Als einziger hat er die Geburt Christi geschildert und die Pubertätsgeschichte Jesu, als dieser 12 Jahre  alt war. Sonst wissen wir leider nicht viel aus der Kindheit Jesu, außer dass er in einer Großfamilie aufgewachsen ist: mindestens 6 Geschwister hatte er (4 Brüder werden namentlich genannt). Als Ältester dieser Geschwister oder Halbgeschwister (Genaueres wissen wir nicht) musste er – wenn Josef früh gestorben sein sollte – für die Familie sorgen und blieb deshalb bis zum 30. Lebensjahr zu Hause. Dann ist er vermutlich 1 Jahr (oder nur ein paar Monate?) mit einer Jüngergruppe als Wanderprediger durch Israel gezogen. In dieser kurzen Zeit haben seine Freunde so viel erlebt, dass Johannes formuliert: wenn man alles aufschreiben würde – die ganze Welt könnte die Bücher nicht fassen… Also eine äußerst beeindruckende Person muss Er gewesen sein!
II. Das Herzstück des Lukasevangeliums ist die Geschichte vom Barmherzigen Vater, die auch die schönste Erzählung der Weltliteratur genannt wird. Immer wieder betont Lukas, dass Gott für jeden Menschen, trotz übelster Taten, ein reiches Guthaben bereithält. Dafür stehen Zöllner, Dirnen, der Verbrecher am Kreuz. Sie alle stehen Gott nahe. Es ist ähnlich wie bei einem Kontoauszug: das Allerwichtigste ist einmal, ob dort steht: SOLL oder HABEN. Lukas gibt uns die Gewissheit, dass bei Gott alle im Plus sind, also ein HABEN-Konto besitzen. - Auch die DANKBARKEIT ist für den 3. Evangelisten ein wichtiges Thema. Nur er bringt den Bericht über die 10 geheilten Aussätzigen, von denen nur einer umkehrt, um sich zu bedanken.
III. In der Lesung haben wir vom einen Leib mit den vielen Gliedern gehört: Jedes dieser Körperglieder hat besondere Fähigkeiten – jeder Getaufte hat Begabungen, die zur Bereicherung der Gemeinschaft geschenkt wurden. Vor gut 1 Woche hat die Diözese Linz den Zukunftsweg unserer Kirche in OÖ vorgestellt: es soll demnach jede Pfarrgemeinde in den kommenden Jahren ein Team aus der Pfarrbevölkerung finden, das die Pfarre an Stelle des Pfarrers leitet. Damit werden auch die vielen Talente, die es unter den Gläubigen gibt, besser genutzt. Und wir Priester werden freigestellt für die seelsorglichen Aufgaben, für die Sakramente, für die Begleitung der Menschen in allen Lebenslagen. Ich freue mich, dass unsere Diözese diesen mutigen Schritt wagt – wir brauchen über 400 solche Leitungsteams – auch das hauptamtliche Personal soll gerechter aufgeteilt werden: jeder Pfarrgemeinde werden je nach Größe Pastoralassistenten und Priester zugeteilt. Ein neuer Weg – wir hoffen, dass alle Pfarrgemeinden sich darauf einlassen.